Erst gelobt, dann gefeuert

Abmahnung vor der Kündigung ist besonders wichtig, wenn der Mitarbeiter vorher positiv beurteilt wurde

onlineurteile.de - Der neue Mann - Leiter des Gebrauchtwagenmanagements eines Autoherstellers - konnte sich über ein dickes Lob freuen: Er habe sein Soll mit 102,5 Prozent übererfüllt, hieß es in der ersten dienstlichen Beurteilung. Doch schon nach ein paar Monaten kam aus heiterem Himmel der Hammer - ein blauer Brief. Die Kündigung wurde im Kern mit "fehlender Eigenverantwortung und Selbstständigkeit" des Abteilungsleiters begründet. Der Mann wehrte sich erfolgreich gegen die Kündigung.

Dass einer Kündigung eine Abmahnung vorausgehen müsse, sei gerade dann besonders wichtig, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeiter gerade erst überdurchschnittliche Leistungen bescheinigt habe, urteilte das Landesarbeitsgericht Köln (7 Sa 71/02). Die Kündigung sei mit "äußerst dehnbaren Begriffen" begründet worden; "Eigenverantwortung" und "Selbstständigkeit" definiere jedes Unternehmen anders.

"Führungsmängel" bei einem leitenden Mitarbeiter könnten auch daran liegen, dass er die Erwartungen des Arbeitgebers falsch einschätze. Dann genüge unter Umständen ein Hinweis durch den Arbeitgeber, um die Mängel abzustellen. Auf jeden Fall müsse man ihm erst Gelegenheit geben, seine Arbeitsweise den Anforderungen anzupassen. Man könne von einem Arbeitnehmer jedoch nicht erwarten, dass er sein Verhalten ändere, wenn er so gelobt worden sei. Dann habe er ja allen Grund anzunehmen, der Arbeitgeber sei mit seinen Leistungen zufrieden.