"Erwachsen auf Probe"

Kölner Jugendamt sollte gegen die RTL-Sendung vorgehen

onlineurteile.de - Der private Fernsehsender RTL mit Firmensitz in Köln begann Anfang Juni mit einem Sendeformat, das man auf gut deutsch "Doku-Soap" nennt: "Erwachsen auf Probe" zeigt, wie Jugendliche angeblich lernen, mit Babys umzugehen und "familiäre Verantwortung zu übernehmen". Umstritten war die Sendung von Anfang an. Vor allem deswegen, weil Familien dafür ihre kleinen Kinder gegen Geld an den Fernsehsender "verleihen".

Ein familienpolitischen Zielen verpflichteter Verein schickte einen sechsfachen Vater vor, um den "Kindesmissbrauch" in letzter Minute zu stoppen. Er beantragte, das Kölner Jugendamt solle die Ausstrahlung verbieten, weil diese Art von Show gegen die Menschenwürde verstoße. Doch das Verwaltungsgericht Köln ließ den Vater abblitzen: Er sei beim Jugendamt an der falschen Adresse (6 L 798/09).

Das Jugendamt sei unter keinem Gesichtspunkt dafür zuständig, Fernsehprogramme zu kontrollieren und Sendungen zu verbieten. Die Aufsicht über die Medien sei im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag geregelt. Demnach seien allein die Landesmedienanstalten befugt und verpflichtet, die Medien daraufhin zu kontrollieren, ob sie Bestimmungen des Jugendschutzes und demokratische Grundrechte beachteten.

Der Antragsteller sei von der Sendereihe nicht persönlich betroffen und könne daher als Privatmann nicht dagegen einschreiten. Grundrechte wie Menschenwürde, auf die er sich berufe, seien Abwehrrechte der Bürger gegenüber dem Staat. Daraus könne er keinen Anspruch darauf ableiten, dass der Staat gegen Dritte vorzugehen hätte.