Eyjafjalla und die Reiseversicherung

Versicherer will zusätzliche Rückreisekosten nicht ersetzen, weil der Vulkan "nicht am Urlaubsort" ausbrach

onlineurteile.de - Anfang 2011 legte Vulkan Eyjafjalla für eine Weile den Flugverkehr in ganz Europa und darüber hinaus lahm. Unzählige Reisende konnten Flüge und Rückflüge nicht rechtzeitig antreten, weil auf Island der Vulkan ausgebrochen war und deshalb der Luftraum gesperrt wurde. Auf die Reiseversicherungen rollte eine Welle von Forderungen zu.

Wer bei der Europäischen Reiseversicherung AG eine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen hatte, schien zunächst leer auszugehen: Der Versicherer weigerte sich nämlich, Mehrkosten für unfreiwillig verlängerte Aufenthalte und außerplanmäßige Rückreisen zu erstatten. Das Unternehmen verwies auf eine Vertragsklausel: Demnach musste es solche Mehrkosten nur übernehmen, wenn die Ursache für den Versicherungsfall am Aufenthaltsort der Reisenden lag.

Damit hätten nur Island-Urlauber Anspruch auf Versicherungsleistungen gehabt. Betroffen waren aber Urlauber in ganz Europa. Die Verbraucherzentrale Sachsen nahm sich dieser Sache an und forderte den Versicherer auf, die Klausel nicht mehr zu verwenden. Das Oberlandesgericht München gab der Verbraucherzentrale Recht (29 U 1551/11). Die Vertragsklausel sei zu unbestimmt und damit unwirksam.

Der Versicherer wolle für außerplanmäßige Reisekosten nur aufkommen, wenn ein "Feuer- oder Elementarereignis in der politischen Gemeinde" passiere, in der sich die Unterkunft des Reisenden befinde (oder während einer Rundreise befunden habe). Durchschnittlich informierte Versicherungsnehmer könnten dieser Regelung nicht entnehmen, welchen Umfang der Versicherungsschutz habe, nicht einmal dann, wenn sie die Vertragsbedingungen aufmerksam lesen.