Fahrtüchtiger Quartalstrinker?

Ein Autofahrer bezeichnet sich selbst als Quartalssäufer und muss künftig zu Fuß gehen

onlineurteile.de - Ein Autofahrer wollte sich umbringen, indem er in der Garage Autoabgase ins Innere seines Wagens leitete. Glücklicherweise wurde Herr X rechtzeitig entdeckt und konnte vor sich selbst gerettet werden. Seine Frau sagte dem Notarzt, ihr Mann sei alkoholkrank und schon länger suizidgefährdet. Der ließ ihn vom Krankenwagen in die Bezirksklinik bringen.

Die Diagnose "Alkoholabhängigkeit" stand zwar so direkt nicht in der Entlassungsanzeige der Klinik. Doch ein Hinweis der Ärzte und der Polizeibericht über den Suizidversuch veranlassten den Amtsarzt, die Fahrerlaubnisbehörde zu informieren: Man müsse das Alkoholproblem von X untersuchen und ihm notfalls den Führerschein abnehmen.

Ein paar Tage später erschien X in der Zulassungsbehörde und gab ziemlich konfuse Erklärungen ab: Süchtig sei er überhaupt nicht, trinke aber viel. Seit dem Klinikaufenthalt allerdings gar nicht, er sei total abstinent, kein Problem. Genau genommen sei er ein "Quartalssäufer". Das war ein Eigentor, denn "Quartalstrinkerei" gilt als typisches Suchtverhalten.

Nun verlangte man von ihm erst recht ein ärztliches Gutachten zur Fahreignung. X ging zur Untersuchung, doch das Gutachten fiel negativ aus. Weil er deswegen das Attest gar nicht erst abgab, entzog ihm die Zulassungsbehörde die Fahrerlaubnis. Seine Klage gegen den Bescheid blieb in allen Instanzen bis hin zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof erfolglos (11 ZB 12.2306).

Vergeblich beteuerte X, in der Klinik hätten sie nicht einmal einen Alkoholtest gemacht. Sein Auftritt bei der Fahrerlaubnisbehörde wurde ihm zum Verhängnis.

Er mache auf Empfehlung der Klinik eine Entwöhnungs-Therapie bei der Caritas, hielt ihm das Gericht vor. Das habe er bei der Behörde mitgeteilt. Und er habe sich selbst als "Quartalssäufer" bezeichnet. Das stelle einen Sonderfall der Alkoholkrankheit dar, bei der Phasen von exzessivem Alkoholkonsum sich abwechselten mit Phasen der Abstinenz.

Wenn ein begründeter Verdacht auf Alkoholsucht bestehe, müsse die Behörde eine medizinisch-psychologische Untersuchung anordnen. Das gelte selbst dann, wenn der Autofahrer im Straßenverkehr noch nie aufgefallen sei und "punktemäßig" eine reine Weste habe. Solange seine Fahreignung ungeklärt sei, dürfe X nicht mehr hinters Lenkrad.