Fahrverbot nach Röhrchentest

Wie aussagekräftig ist eine Messung der Atemalkoholkonzentration direkt nach dem Alkoholkonsum?

onlineurteile.de - Eine beschwipste Autofahrerin geriet in eine Polizeikontrolle. Den Beamten versicherte sie, schon "über eine Stunde lang" nichts mehr getrunken zu haben. Dann musste die Frau ins Röhrchen blasen. Ergebnis: eine Atemalkoholkonzentration von 0,31 mg/l. Das brachte ihr beim Amtsgericht ein Fahrverbot und 250 Euro Geldbuße ein.

Ihre Aussage gegenüber den Polizisten nahm die Frau vor Gericht zurück. Sie habe die Beamten angeschwindelt, erklärte sie. In Wirklichkeit sei sie direkt aus ihrer Pilskneipe gekommen und habe bis zuletzt Bier getrunken. Doch der Amtsrichter glaubte der Frau nicht: Dies sei nur eine "Schutzbehauptung", mit der die Verkehrssünderin den gemessenen Wert in Frage stellen wolle.

Denn: Nach einem Gutachten des Bundesgesundheitsamts muss zwischen dem Ende des Alkoholkonsums und der Messung der Blutalkoholkonzentration eine Wartezeit von mindestens 20 Minuten liegen. Erst nach einer Weile ergibt nämlich der Test ein verlässliches Verhältnis zwischen Atemalkoholkonzentration und Blutalkoholkonzentration. Ob das Messergebnis vor Gericht verwertbar ist, wenn die Wartezeit nicht eingehalten wurde, ist umstritten.

Die Autofahrerin focht das Urteil des Amtsgerichts an und erreichte einen Teilerfolg. Sehr wahrscheinlich habe sie vor Gericht die Wahrheit gesagt, erklärte das Oberlandesgericht Karlsruhe (1 Ss 32/06). Die Annahme, ein kontrollierter Autofahrer werde freimütig zugeben, kurz vor der Autofahrt noch Alkohol getrunken zu haben, liege eher fern. Sehr viel wahrscheinlicher sei es, dass er dies leugne.

Trotzdem sei das Messergebnis im konkreten Fall möglicherweise als Beweis tauglich, weil der gemessene Wert den Grenzwert um mehr als 20 Prozent überschreite. Mit dieser Frage müsse sich die Vorinstanz noch einmal befassen, nachdem ein Sachverständiger geklärt habe, ob (und in welchem Umfang) es sich auf das Messergebnis ausgewirkt habe, dass die Wartezeit zu kurz gewesen sei.