Fahrzeug mit "falschem" Motor geliefert

Kunde kann vom Kauf zurücktreten, wenn er einen anderen Motor bestellt hat

onlineurteile.de - Der Kunde bestellte ein fabrikneues Wohnmobil. Im Prospekt des italienischen Herstellers stand bei den technischen Daten zum Motor: Turbodiesel-Commonrail 2,0 TDCI mit 100 PS. Nirgendwo ein Hinweis, dass der bestellte Wohnmobiltyp auch mit einem anderen Motor ausgestattet sein könnte. Mit Herrn S, einem Verkäufer des Autohauses, hatte der Kunde die Vorteile des gewünschten Motors lange erörtert, im Bestellformular war er genau bezeichnet.

Nichtsdestotrotz wurde das Wohnmobil mit einem F-Motor 2,0 TDE (ebenfalls mit 100 PS, aber mit Verteilerpumpentechnik) geliefert. Als der Kunde dies bemerkte, forderte er das Autohaus auf, das Fahrzeug zurückzunehmen. Der Händler lehnte dies ab: Der Eintrag im Bestellschein sei wohl ein Schreibfehler. Diese "Interpretation" wurde vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf zurückgewiesen (1 U 273/07).

Das Fahrzeug sei mangelhaft, so das OLG, weil es nicht so motorisiert sei wie vereinbart. Deshalb könne der Kunde vom Kauf zurücktreten. Zeuge S habe sich an das Gespräch unter Fachleuten genau erinnert: Der in der Kfz-Branche tätige Käufer habe großen Wert auf den Motor gelegt. Denn der 2,0 TDCI mit Commonrail entspreche modernster Dieseltechnik. Er sei einfach besser als der TDE-Motor mit veralteter Einspritztechnik, z.B. laufruhiger. Das habe seinerzeit auch in Fachzeitschriften gestanden.

Der Unterschied sei also keineswegs "unerheblich", wie das Autohaus jetzt behaupte. Die Aussage des Zeugen habe das besondere Interesse des Kunden an dem gewünschten Motor noch bekräftigt, das schon durch den ausdrücklichen Vermerk im Bestellschein deutlich geworden sei. Dass man ihm ein Fahrzeug geliefert habe, das weder den Angaben im Prospekt, noch der vertraglich vereinbarten Beschaffenheit entsprach, stelle schon deshalb einen erheblichen Mangel und keine Bagatelle dar.