Falsche Beratung bei der Geldanlage

Auch der Verlust von Anlagezinsen ist zu ersetzen — aber keine vier Prozent!

onlineurteile.de - Eine Kundin verklagte ihr Kreditinstitut auf Schadenersatz in Höhe des Anlagekapitals. Sie hatte sich im November 2000 auf Empfehlung ihres Sparkassen-Anlageberaters mit 100.000 DM an einem geschlossenen Immobilienfonds der Sparkasse beteiligt. Da im Anlageprospekt Alter und Rentabilität der verwalteten Immobilien (Bürogebäude, Marktzentrum) falsch dargestellt worden waren, hatte das Oberlandesgericht Köln der Klage stattgegeben.

Bis auf einen Punkt: Die Forderung der Kundin nach Ersatz entgangener Anlagezinsen (24.177 Euro) wurde abgewiesen. Erfolglos legte sie Revision ein.

Im Prinzip umfasse der Anspruch auf Schadenersatz wegen falscher Anlageberatung zwar auch den entgangenen Gewinn, betonte der Bundesgerichtshof (XI ZR 360/11). Denn es sei davon auszugehen, dass die Kapitalanlegerin — wenn sie sich nicht am Fonds beteiligt hätte — das Geld anderweitig angelegt hätte. Welche konkrete Form der Anlage sie ansonsten gewählt hätte, hätte sie aber genau darlegen müssen.

Die Sparkassenkundin habe behauptet, dass sie sich bei richtiger Beratung wie zuvor für einen festverzinslichen Sparbrief oder ein Bundeswertpapier entschieden hätte. Das sei jedoch fraglich. Ihr Berater habe ausgesagt, sie habe damals mindestens den Zinssatz des vorherigen Sparbriefs bekommen wollen — den habe es aber im Jahr 2000 für Sparbriefe nicht mehr gegeben. Und die Anlage sollte steuerrechtlich günstig übertragbar sein. So gesehen, wären seinerzeit weder Bundeswertpapiere, noch ein Sparbrief für die Frau in Frage gekommen.

Wenn nicht feststehe, welche Anlage die Kundin gewählt und welchen Gewinn sie damit erzielt hätte, könne die Justiz die entgangenen Zinsen nicht schätzen, stellten die Bundesrichter fest. Ihr Argument, "nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge" hätte sich ihr Geldbetrag zumindest mit dem gesetzlichen Zinssatz von vier Prozent verzinst, gehe jedenfalls fehl.

Laut Statistik der Deutschen Bundesbank gebe es gerade für verlustsichere Anlagen mit langer Laufzeit nur einen Zins von zwei bis maximal drei Prozent jährlich. Wie "das Gericht aus vielen ähnlichen Prozessen" wisse, entspreche es nicht einmal dem "gewöhnlichen Lauf der Dinge", dass eine Geldanlage überhaupt Gewinn abwerfe.