Falsche Schilderung eines Unfalls

Autofahrer erfindet nüchternen Begleiter, der den Wagen gelenkt haben soll ...

onlineurteile.de - Es war ein feuchtfröhlicher Diskoabend gewesen. Zu feuchtfröhlich. Denn er endete damit, dass sich der Mann auf der Heimfahrt mit dem Wagen mehrmals überschlug. Neben zahlreichen Prellungen und Schnittwunden attestierte ihm der Arzt auch ein leichteres Schädelhirntrauma und 1,7 Promille Alkohol im Blut.

Als er später für die Kfz-Versicherung die Schadensmeldung ausfüllte, schilderte der Versicherungsnehmer den Vorfall so: Er habe in der Disko einen Mann mitgenommen, der das Steuer des Wagens übernommen habe. Er selbst habe auf dem Beifahrersitz gesessen. An alles weitere könne er sich wegen der Kopfverletzung nicht mehr erinnern.

Die Versicherung beauftragte einen Sachverständigen damit, den Unfallbericht zu prüfen. Der Experte stellte fest, dass der Airbag auf der Beifahrerseite nicht ausgelöst worden war. Das komme nur vor, wenn dort niemand sitze, so sein Fazit. Daraufhin lehnte der Versicherer jede Zahlung ab, weil ihn der Autofahrer belogen habe. Der bestritt den Vorwurf: Zumindest habe er den Unfallhergang nicht absichtlich falsch geschildert, erklärte er. Wie sollte er auch, ohne jede Erinnerung ...

Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Versicherer den Schaden nicht begleichen muss (IV ZR 252/05). Das Gutachten belege, dass die Angaben des Mann nicht stimmten. Also sei vorsätzliche Täuschung zu vermuten. Diesen Verdacht habe der Versicherte nicht ausräumen können. Ob seine Verletzung tatsächlich zu Gedächtnisverlust führte, habe ein medizinischer Sachverständiger angezweifelt: Man könne es nicht ganz ausschließen, aber Zweifel seien angebracht, habe der Mann ausgesagt. Angesichts dieser Stellungnahme sei der Verdacht nicht widerlegt.