"Faltenbehandlung mit Botox"

Selbstdarstellung einer HNO-Ärztin oder unzulässige Werbung für verschreibungspflichtiges Arzneimittel?

onlineurteile.de - In einer Tageszeitung veröffentlichte eine Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren (HNO) eine Anzeige. Darin zählte sie auf, was für Behandlungen in ihrer Arztpraxis geboten wurden: "Magnetfeldtherapie. Infusionen. Ozon-Therapie, Tinnitus-Therapie, Akupunktur. Piercing. Allergologie. Faltenbehandlung mit Collagen, Botox und Hyal-System. Anti-Schnarch-Therapie". Standesvertreter sahen in dem Hinweis auf "Botox" eine unzulässige Reklame für ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

Unsinn, erklärte die HNO-Ärztin: Sie werbe nicht für Botox, sondern gebe an, welche Behandlungsmethoden sie beherrsche. Jeder Mediziner habe ein Recht auf Werbung, solange die Patienten in sachlicher Weise informiert würden. Doch das Oberlandesgericht Frankfurt wertete die Werbeanzeige anders (6 U 118/05).

Die Richter räumten zwar ein, dass die Selbstdarstellung von Ärzten durch die engen Grenzen der Werbung für Heilmittel nicht unverhältnismäßig eingeschränkt werden dürfe. Die HNO-Ärztin informiere in der Anzeige allerdings nicht über die Behandlungsmethoden und damit über ihre eigenen Kompetenzen, sondern zähle die Verfahren nur auf.

Entscheidend sei, dass bei der Faltenbehandlung nicht die Dienstleistung des Arztes im Vordergrund stehe, sondern das Produkt: Die ärztliche Leistung, das Setzen der Spritze, sei nur das Mittel, um einen Wirkungsmechanismus auszulösen, der allein auf dem Einsatz des Arzneimittels beruhe. Mit der Werbung für Faltenbehandlung werde auch der Absatz des verschreibungspflichtigen Arzneimittels Botox gefördert, weil die angebotene Behandlung dessen Einsatz voraussetze. Deshalb sei die Anzeige unzulässig. Sinn des Werbeverbots: Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient solle nicht durch Konflikte um von der Werbung inspirierte Patientenwünsche gestört werden.