Fassadenreiniger erleidet Stromschlag

Hauseigentümerin haftet dafür nicht, wenn die Steckdose jahrelang problemlos benutzt wurde

onlineurteile.de - Die Hauseigentümerin hatte die Spezialfirma für Dach- und Fassadenreinigung schon öfter engagiert. Im Herbst 2010 ereignete sich bei den Reinigungsarbeiten ein Unfall. Als der Geschäftsführer der Fassaden-GmbH seinen Hochdruckreiniger an eine Steckdose anschloss, wurde das Gerät unter Strom gesetzt. Der Mann erhielt einen Stromschlag.

Von der Auftraggeberin forderte er Schmerzensgeld für die erlittenen Verbrennungen: Sie müsse dafür sorgen, dass die Steckdosen, die er als Werkunternehmer für die Arbeiten benötige, betriebssicher seien. Die fragliche Steckdose sei aber ohne eigenständigen Schutzleiter angeschlossen und deshalb ein Sicherheitsrisiko.

In der Vergangenheit sei die Steckdose — auch vom Fassadenreiniger selbst! — benutzt worden, ohne dass sich jemals ein vergleichbarer Vorfall ereignet hätte, konterte die Hauseigentümerin. Die Unfallursache könnte auch im Hochdruckreiniger zu finden sein. Das hielt auch das Oberlandesgericht (OLG) Köln für möglich (19 U 9/13).

Darauf komme es hier allerdings gar nicht mehr an, so das OLG, denn die Auftraggeberin sei auf keinen Fall für den Stromschlag verantwortlich. Für Dachreinigungsarbeiten mit dem Hochdruckreiniger habe der Geschäftsführer selbst diese Steckdose schon mehrmals verwendet und nie sei es zu einem Stromschlag gekommen. Für die Hauseigentümerin, die die Steckdose ebenfalls nutzte, bestand keinerlei Anlass, die Steckdose von einem Elektriker prüfen zu lassen.

Sie sei vor etwa 20 Jahren von einem Fachunternehmen installiert worden — und nicht etwa durch überforderte Laien. Wenn dabei nicht fachgerecht gearbeitet wurde, könne man das nicht der Hauseigentümerin vorhalten. Als Laie könne sie nicht wissen, dass die Steckdose nicht 100-prozentig sicher war, zumal es über viele Jahre hinweg damit nie Probleme gegeben habe. Der verletzte Fassadenreiniger könne von ihr keinen Schadenersatz verlangen.