Ferienhaus mit vielen Macken

OLG Celle berechnet Minderung des Reisepreises

onlineurteile.de - Eine sechsköpfige Familie machte zwei Wochen Urlaub in der Ferne. Bei einem Reiseveranstalter hatte der Vater ein Leistungspaket gebucht, unter anderem einen Mietwagen (778 Euro) und ein Ferienhaus (rund 3.000 Euro). Am Urlaubsort angekommen, war die Enttäuschung groß. Das Ferienhaus befand sich in einem Baugebiet, in dem noch fleißig gewerkelt wurde. Zwar zeigte sich im Garten des Ferienhauses schon ein bisschen Grün, doch rundherum sah es schaurig aus: Bauland, soweit das Auge reichte. Das im Prospekt angepriesene "Fungelände" war keineswegs "in 15 bis 20 Minuten zu erreichen".

Deshalb sollte der Reiseveranstalter den Reisepreis (4.703 Euro) erstatten und 3.855 Euro für entgangene Urlaubsfreuden berappen. Die Richter des Oberlandesgerichts Celle zeigten Verständnis für die enttäuschte Urlauberfamilie, minderten aber den Reisepreis nur um 35 Prozent (11 U 1/04). Die Baustellenumgebung beeinträchtige die Urlaubsqualität erheblich, dafür stehe den Kunden ein Nachlass zu. Wer mit vier Kindern reise, sei erfahrungsgemäß im Urlaub weniger unterwegs als andere und auf den Aufenthalt in der gemieteten Unterkunft angewiesen.

Entschädigung für vertane Urlaubszeit gab es für den Familienvater nicht. Sie stehe dem Kunden erst ab einer Minderungsquote von 50 Prozent und darüber zu, so die Richter. Abgesehen davon, habe die Familie mit den Kindern fast täglich das Fungelände besucht. Es sei deshalb nicht recht nachvollziehbar, inwiefern der Urlaub ein "Totalausfall" gewesen sein sollte.