Feuchter Estrich - frisch verlegtes Parkett löst sich ab

Estrichleger muss den Bauleiter über "Abweichungen vom Bauüblichen" informieren

onlineurteile.de - Bei einem größeren Neubau vergab der Bauunternehmer diverse Aufträge an Subunternehmer. Auch den Estrich ließ er von einem selbstständigen Handwerker verlegen, der ihn laut Vertrag acht Zentimeter dick auftragen sollte. Nachträglich vereinbarte allerdings der Auftraggeber mit dem Estrichleger, die Bodenunebenheiten in der Rohbetondecke durch wechselnde Estrichstärke auszugleichen.

Das wusste aber der bauleitende Architekt nicht und bestellte den Parkettleger, als der Estrich an den dickeren Stellen noch feucht war. (Estrich trocknet umso langsamer, je dicker die Schicht aufgetragen wird.) Parkett, das auf zu feuchtem Estrich verlegt wird, wölbt sich und löst sich ab. So geschah es auch hier. Deshalb verweigerte der Bauunternehmer dem Estrichleger den restlichen Werklohn und forderte Schadenersatz für den Pfusch. Von wegen Pfusch, konterte der Handwerker, der Estrich sei ohne Mängel gewesen.

Beim Oberlandesgericht Bamberg hatte der Handwerker jedoch mit seiner Zahlungsklage nur einen Teilerfolg (4 U 182/05). Einerseits sei der Estrich in Ordnung gewesen, räumten die Richter ein. Denn wenn man lange genug warte, bevor der Bodenbelag verlegt werde, sei Restfeuchte kein Mangel. Bauleiter und Parkettleger müssten prüfen, ob der Estrich trocken genug sei. Sie seien daher mitverantwortlich für den Pfusch.

Andererseits entlaste dies den Estrichleger nicht ganz. Gemäß der einschlägigen DIN-Norm sei Estrich gleichmäßig aufzutragen. Wenn der Handwerker mit dem Auftraggeber etwas anderes vereinbare, müsse er sich vergewissern, ob dem Bauleiter die Konsequenzen klar seien. Weiche die Austrocknungsdauer des Estrichs - bedingt durch Material oder spezielle Verarbeitung - vom Bauüblichen ab, sei der Estrichleger verpflichtet, den Bauleiter darauf hinzuweisen. (Weil er dies versäumte, wurden dem Handwerker 12.800 Euro Werklohn abgezogen.)