Fiat war nicht mehr fabrikneu

Wie wird beim Rücktritt vom Kauf der Gebrauchsvorteil berechnet?

onlineurteile.de - Beim Händler bestellte eine Kundin einen Fiat S.: "Verbindliche Neuwagenbestellung" lautete die Überschrift auf dem Formular. Doch das schließlich gelieferte Fahrzeug (Kostenpunkt: 15.769 Euro) war mindestens eineinhalb Jahre vorher produziert worden. Bevor der Käuferin dieser Mangel auffiel, verging allerdings ein weiteres Jahr.

Dann erklärte sie dem Autohändler, sie trete vom Kauf zurück. 51.400 Kilometer hatte die Frau mit dem Wagen bereits zurückgelegt. Dafür könne ihr der Händler vom Kaufpreis eine Nutzungsentschädigung von etwa 3.400 Euro abziehen, bot die Kundin an. Bei der Berechnung hatte sie eine Gesamtlaufleistung des Autos von 250.000 Kilometern zugrunde gelegt. Damit war das Oberlandesgericht Koblenz nicht einverstanden (6 U 574/08).

Der Rücktritt vom Kauf sei zwar wirksam: Denn der Fiat sei kein Neuwagen und damit mangelhaft gewesen. Ein fabrikneues Auto dürfe erstens keine Mängel durch eine längere Standzeit aufweisen. Zweitens dürften zwischen Produktion und Abschluss des Kaufvertrags nicht mehr als zwölf Monate liegen und das Modell müsse unverändert weiter gebaut werden.

Aber die Nutzungsentschädigung sei anders zu berechnen. Bei einem Mittelklassewagen sei von einer Lebensdauer von 150.000 Kilometern auszugehen. Auf eine Laufleistung von 200.000 Kilometern oder mehr brächten es nur Autos der gehobenen Klasse oder Diesel-Fahrzeuge. Es gelte allgemein die Formel: Gebrauchsvorteil = Bruttokaufpreis x zurückgelegte Fahrstrecke, geteilt durch die voraussichtliche Gesamtlaufleistung. Oder anders ausgedrückt: 0,67 Prozent des Neuwerts pro 1.000 gefahrene Kilometer. Das ergibt hier eine Nutzungsentschädigung von 6.564,93 Euro.