Fluglotsenstreik: Flug annulliert

Eine Fluggesellschaft muss sich trotzdem bemühen, die Fluggäste so schnell wie möglich zu befördern

onlineurteile.de - Ein Ehepaar aus Bremen machte Urlaub in Spanien. Der Rückflug ab Malaga war für den 19.10.2010 gebucht. Doch die Fluggesellschaft A annullierte ihn, weil in Frankreich die Fluglotsen streikten. Den Bremer Fluggästen bot sie einen Ersatzflug drei Tage später an. Darauf ließen sich die Kunden nicht ein: Sie buchten bei B-Airlines einen Flug am nächsten Tag nach Hamburg. Kostenpunkt: 1.166 Euro für den Flug, 50 Euro Hotelkosten, 40 Euro fürs Taxi und 60 Euro für Telefon und Verpflegung.

Fluggesellschaft A erstattete den Reisenden nur die Ticketkosten für den annullierten Flug: 391,62 Euro. Das Ehepaar verlangte Schadenersatz für die zusätzlichen Ausgaben und eine Ausgleichszahlung von 800 Euro für den Ausfall des Flugs. Schadenersatz stehe den Urlaubern zu, entschied das Amtsgericht Bremen, aber keine Ausgleichszahlung (9 C 135/11).

Darauf hätten Fluggäste — gemäß EU-Fluggastrechteverordnung — nur Anspruch, wenn eine Fluggesellschaft den Ausfall zu verantworten habe. Hier lägen jedoch außergewöhnliche Umstände vor: Ein Fluglotsenstreik sei ein außergewöhnliches Ereignis, das von der Fluglinie nicht zu beeinflussen sei. Den Streik habe sie nicht verhindern können.

Da er schon am Vortag angekündigt wurde, hätte die Fluggesellschaft A jedoch versuchen können, den Flug später am Tag — unter Umgehung des französischen Luftraums — zu organisieren, notfalls mit Landung an einem nicht vom Nachtflugverbot betroffenen deutschen Zielflughafen (plus anschließendem Bustransfer). Das Unternehmen hätte sich auch darum bemühen können, für den nächsten Tag eine Ersatzmaschine bei einer anderen Fluggesellschaft zu chartern oder Rückflugplätze bei anderen Fluglinien für ihre Passagiere zu buchen.

Airline A habe sich nicht angestrengt, die Fluggäste so schnell wie möglich zu befördern, sondern damit begnügt, einen Alternativflug drei Tage später anzubieten. Da es Beförderungsmöglichkeiten vor dem 22.10. gab, mussten sich die Urlauber jedoch nicht auf einen so späten Ersatzflug verweisen lassen. Sie durften einen Ersatzflug gleicher Klasse buchen, auch wenn dieser teurer war als der annullierte. Die Fluggesellschaft müsse die zusätzlichen Reisekosten ersetzen.