Flugzeug muss wegen technischer Probleme umkehren

Flugverspätung oder nicht? Es zählt der Zeitpunkt des zweiten Starts

onlineurteile.de - Der Start in den Urlaub sollte um 20.20 Uhr erfolgen. Die Maschine hob pünktlich am Flughafen in Frankfurt am Main ab. Wegen eines technischen Defekts ging es aber nicht wie geplant in Richtung Malediven, sondern schon nach kurzer Zeit zurück zum Frankfurter Flughafen. Erst am nächsten Tag um 17 Uhr konnte die Maschine erneut starten — diesmal ohne Probleme.

Einige Passagiere verlangten für die Verspätung um mehr als 20 Stunden eine Ausgleichszahlung von 600 Euro. Die Fluggesellschaft weigerte sich allerdings zu zahlen. Sie stellte sich auf den Standpunkt, der Flieger sei pünktlich abgeflogen. Dass er gleich wieder umkehren musste, stehe auf einem anderen Blatt.

Doch das Landgericht Darmstadt entschied, dass den Passagieren die Ausgleichszahlung zusteht (7 S 216/11). In diesem Punkt komme es nicht auf den ersten, sondern auf den zweiten Start an, und der sei mit großer Verspätung erfolgt. Die Airline könne nicht ernsthaft behaupten, der Flug habe stattgefunden wie vorgesehen — nur weil das Flugzeug erst einmal gestartet sei.

Was zähle, sei schließlich, ob und wann ein Flug das Ziel erreiche. Also: die Beförderung der Passagiere vom Start- zum Zielflughafen. Bei einer Verspätung von über drei Stunden seien die Fluggäste genauso zu behandeln wie Passagiere eines annullierten Fluges: Sie hätten daher Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Im konkreten Fall seien die Urlauber sogar mit 20 Stunden Verspätung auf den Malediven gelandet. Aufgrund der großen Entfernung von über 3.500 km sei auch die Höhe der Ausgleichszahlung gerechtfertigt.