Fortbildung ist für Mediziner Pflicht!

Unverträgliches Mittel bei der Narkose angewendet: Schmerzensgeld für Patientin

onlineurteile.de - 2005 wurde eine Patientin in einem Mainzer Krankenhaus operiert. Vor dem gynäkologischen Eingriff hatte sie den behandelnden Arzt darüber informiert, dass sie die üblichen Narkosemittel nicht vertrug. Diese Info ging irgendwie unter — die Patientin bekam "das Übliche" und litt nach der Operation drei Tage lang an heftiger Übelkeit mit Erbrechen. Sie verklagte deshalb (und wegen anderer Folgen des Eingriffs) den Mediziner und die Klinik auf Schmerzensgeld.

Außer der Sache mit dem Narkosemittel fand das Oberlandesgericht Koblenz keinen Fehlgriff bei der Behandlung (5 U 1450/11). Es wies deshalb die Klage gegen den Operateur ab. Allerdings sei die Klinik dafür verantwortlich, dass die Anästhesie nicht sorgfältig genug durchgeführt wurde. Der Narkosearzt hätte der Patientin ein die Übelkeit minderndes Medikament verabreichen müssen. Sie sei in dieser Hinsicht überempfindlich und habe darauf ausdrücklich hingewiesen.

Dass der Wirkstoff X Beschwerden lindere, welche die üblichen Narkosemittel bei einigen Patienten auslösten, sei bereits 2004 in einer anerkannten Fachzeitschrift publiziert worden. Als die Patientin 2005 operiert wurde, hätte der Anästhesist der Klinik daher wissen müssen, dass er ihr zusätzlich dieses Medikament verabreichen musste. Mediziner seien verpflichtet, sich auf ihrem Fachgebiet regelmäßig weiterzubilden.

Wenn eine führende Fachzeitschrift wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse veröffentliche, müssten Ärzte dieses Wissen so bald wie möglich im Berufsalltag umsetzen. Im konkreten Fall liege zwischen der Publikation zum Wirkstoff X und der Operation der Patientin fast ein Jahr. Diese Zeitspanne sei so lang, dass es als grober Behandlungsfehler zu bewerten sei, den Wirkstoff X nicht einzusetzen. Damit wäre der Patientin die tagelange Übelkeit erspart geblieben.

Als Arbeitgeber des Narkosearztes müsse das Krankenhaus der Patientin 1.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, um sie für die vermeidbare Unbill zu entschädigen.