Frau mit Minijob betreut zwei Kinder

Muss die Mutter für ein weiteres Kind, das beim Vater lebt, mehr arbeiten?

onlineurteile.de - Vier Kinder waren aus der Ehe hervorgegangen. Nach der Scheidung blieb eine 14 Jahre alte Tochter beim Vater, die anderen drei bei der Mutter: zwei Kinder im Alter von 14 und 15 Jahren und eine erwachsene Tochter, die als Auszubildende bereits wirtschaftlich selbständig war. Die Mutter, gelernte Friseuse, hatte zuletzt einen Minijob als Verkäuferin für 323 Euro im Monat. Ihr Lebensgefährte steuerte zu den Kosten der fünfköpfigen Lebensgemeinschaft 640 Euro bei. Als die beim arbeitslosen Vater lebende Tochter monatlich 269 Euro Unterhalt von ihr verlangte, winkte die Mutter ab: Was sie im Moment verdiene, benötige sie selbst.

Der Anwalt der Tochter hielt dagegen, durch das Zusammenleben mit ihrem Freund sei der Lebensunterhalt der Mutter gesichert. Also müsse sie ihren geringen Verdienst für die Tochter abzweigen. Dem widersprach das Oberlandesgericht Hamm (11 UF 287/02). Da es keine gemeinsamen Kinder gebe, habe die Frau keinen Anspruch auf Bares von ihrem Lebensgefährten. Was der Partner zum Haushalt beisteuere, sei freiwillig und spiele hier keine Rolle. Im Prinzip müsse sich die Frau selbst versorgen.

Da sie zwei Kinder betreue, könne sie nicht ganztags arbeiten, sondern höchstens eine 2/3-Stelle annehmen. Und die Aussicht auf besseren Verdienst anderswo sei sehr gering: Ihre Ausbildung als Friseuse liege schon lange zurück, also habe sie keine Chance, als Fachkraft beschäftigt zu werden. Sie könne sich nur für ungelernte Tätigkeiten bewerben. Selbst wenn man (sehr optimistisch) von einem Stundenlohn von acht Euro ausgehe, wäre bei einer 2/3-Stelle nur ein Einkommen von 715 Euro im Monat zu erzielen. 840 Euro dürfe die Frau aber für ihren eigenen Lebensunterhalt behalten. Daher habe sie weder die Pflicht noch die Möglichkeit, für die 14-jährige Tochter Unterhalt zu zahlen.