Freisinger Amokläufer war schon lange psychisch krank

Lebensversicherung des Selbstmörders muss nicht zahlen

onlineurteile.de - Ein junger Mann, früher Schüler der Wirtschaftsschule Freising, tötete im Februar 2002 an der Schule mehrere Menschen und beging anschließend Selbstmord. Einige Monate vorher hatte er eine Lebensversicherung zu Gunsten seiner Eltern und seiner Schwester abgeschlossen. Nach dem tragischen Ereignis forderte die Familie vom Versicherer Geld: Der Amokläufer sei psychisch krank und schuldunfähig gewesen, argumentierten die Angehörigen. Deshalb müsse die Versicherung auch bei Selbstmord zahlen.

Darauf komme es hier letztlich nicht an, erfuhren sie vom Versicherer. Denn der beabsichtigte, den Vertrag anzufechten. Begründung: Der Versicherungsnehmer habe beim Abschluss des Vertrags einen dreimonatigen stationären Aufenthalt in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung verschwiegen, wo der Jugendliche 1997 wegen eines "depressiv-suizidalen Syndroms" behandelt worden sei. Die Ärzte hätten eine paranoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, schon damals habe die Gefahr eines Selbstmords bestanden.

Die Versicherung dürfe vom Vertrag zurücktreten, entschied das Landgericht München I (25 O 6667/03). Wenn das Unternehmen vom Aufenthalt des Antragstellers in einer psychiatrischen Klinik erfahren hätte, hätte es den Versicherungsvertrag mit dem jungen Mann nicht (oder zumindest nicht zu normalen Konditionen) abgeschlossen. Denn dass dieser Umstand das Risiko des Versicherers bedeutend erhöhe, liege auf der Hand. Wer beim Vertragsschluss wesentliche Fakten unterschlage, habe keinen Anspruch auf Versicherungsschutz.