Fünf Mal im Jahr heim zur Familie

Türkischer Arbeitnehmer kann Reisekosten von der Steuer absetzen

onlineurteile.de - Seine Ehefrau lebt mit der Tochter und zwei studierenden Söhnen in der Türkei. Fünf Mal besuchte 1998 ein in Deutschland beschäftigter türkischer Arbeitnehmer die Familie. Beim Finanzamt machte er die Kosten der Flugtickets und der Fahrten zum Flughafen (zusammen 3.878 DM) als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt strich ihm den Abzug: Bei Arbeitnehmern mit mehreren Wohnungen seien Familienbesuche nur dann steuerlich zu berücksichtigen, wenn "die Familienwohnung den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerzahlers" darstelle und von ihm "nicht nur gelegentlich" aufgesucht werde.

Hier stellt sich natürlich die Frage, was heißt "nicht nur gelegentlich"? Zum Pech des türkischen Arbeitnehmers setzen die Lohnsteuerrichtlinien - an die sich die Finanzbeamten hielten - bei verheirateten Arbeitnehmern sechs Familienheimfahrten als Minimum voraus. Dennoch setzte der Steuerpflichtige beim Bundesfinanzhof (BFH) den Werbungskostenabzug durch (VI R 152/99). Die in den Lohnsteuerrichtlinien festgelegte Zahl sei eine zu starre Grenze, so der BFH, und werde den Besonderheiten des Einzelfalls nicht gerecht. Man könne den Werbungskostenabzug bei weniger als sechs Fahrten nicht definitiv ausschließen, ohne die näheren Umstände zu beachten, wie z.B. die Entfernung zwischen Familienwohnung und Arbeitsplatz. Im vorliegenden Fall sei die Familienwohnung des Steuerpflichtigen sehr weit entfernt und die Reisekosten hoch. Auch wenn der türkische Arbeitnehmer "nur" fünf Mal nach Hause geflogen sei, könne man also davon ausgehen, dass die Familienwohnung in der Türkei seinen Lebensmittelpunkt darstelle und die Bedingungen für den Werbungskostenabzug der Fahrtkosten erfüllt seien.