Gebrauchtwagen-"Käuferkette"

Haftet der Erstverkäufer nach mehreren Weiterverkäufen gegenüber dem letzten Käufer für verschwiegene Mängel?

onlineurteile.de - Im April 2000 verkaufte der Autobesitzer seinen VW Golf (ein Cabrio, Erstzulassung 1997) zum Preis von 28.000 DM an einen Bekannten seiner Tochter. Jahre zuvor hatte er beim Einparken in der Garage den Kotflügel zerbeult. Der Schaden (von der Versicherung auf 4.640 DM geschätzt) wurde repariert, der Kotflügel ausgebeult, gespachtelt und lackiert. Beim Verkauf verharmloste der Autobesitzer den Vorfall nach Kräften. Im Kaufvertrag stand schließlich: " Wagen unfallfrei; rechter Kotflügel nachlackiert".

Noch zweimal wurde der Golf weiterverkauft. Erst der dritte Käufer W. bemerkte, wie gravierend die Reparatur am Kotflügel gewesen war. Er verlangte vom Vorbesitzer, den Kaufvertrag rückgängig zu machen. Als dies erfolglos blieb, verklagte W. den Erstverkäufer auf Schadenersatz. Auch diese Klage scheiterte beim Oberlandesgericht Braunschweig (8 U 29/05). Mit dem Erstverkäufer habe W. keinen Vertrag geschlossen, der diesen zur Aufklärung über Sachmängel der Kaufsache verpflichtete, erklärten die Richter.

Unstreitig habe der Erstverkäufer den Unfallschaden beschönigt und so den Bekannten getäuscht und geschädigt. Fraglich sei aber, ob der Autobesitzer damals mit einem Weiterverkauf des Wagens rechnete und so auch einen finanziellen Verlust von Zweit- oder Dritterwerbern einkalkulierte. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Dass ein vier Jahre alter Wagen nochmals verkauft werde, stehe keineswegs von vornherein fest.

Beim Verkauf von privat zu privat könne man die Haftung des Erstverkäufers für einen Mangel nicht unbeschränkt ausdehnen. Anders liege der Fall, wenn ein mangelhaftes Auto zunächst an einen Zwischenhändler verkauft werde: Dann sei von vornherein klar, dass es weiterverkauft werde. Unter diesen Umständen komme auch eine Haftung des Erstverkäufers gegenüber Dritterwerbern in Betracht.