Gebrauchtwagen "unfallfrei"

Gewerbliche Autohändler dürfen sich auf die Angaben privater Verkäufer nicht verlassen

onlineurteile.de - Ein Gebrauchtwagenhändler studierte das Angebot der Internetplattform "mobile.de" und fand einen zwei Jahre alten Dacia Sandero, den er haben wollte. Angeblich war der Gebrauchtwagen "unfallfrei". Der Besitzer, ein Privatmann, bot ihn für 7.900 Euro an. Der Autohändler einigte sich per Mail mit dem Verkäufer und schickte einen Mitarbeiter mit Kaufvertrag zu ihm, um das Auto abzuholen.

Im Vertragsformular hatte der Händler handschriftlich hinzugefügt "unfallfrei, Beschreibung wie bei mobile". Das böse Erwachen folgte, als der Händler den Dacia mit einem Kfz-Mechaniker prüfte. Im Frontbereich entdeckten sie einen erheblichen Unfallschaden, der nicht fachgerecht instandgesetzt war. Daraufhin forderte der Autohändler den Verkäufer vergeblich auf, das Geschäft rückgängig zu machen.

Auch seine Klage blieb erfolglos, obwohl das Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken ausdrücklich feststellte, dass der Wagen mangelhaft war (2 U 54/15). Gebrauchtwagenkäufer könnten erwarten, dass diese — abgesehen von Bagatellen — frei von Unfallschäden seien. Weil der Händler das Auto aber trotz eines gravierenden Mangels gekauft habe, dürfe er es nicht zurückgeben, urteilte das OLG.

Wie Fotos vom Dacia belegten, musste einem Kfz-Profi schon bei oberflächlichem Hinsehen auffallen, dass ein Unfallschaden vorlag. Offenbar habe der Händler den Wagen deshalb sofort nach dem Kauf checken lassen. Doch zum Ankauf habe er eine unerfahrene Aushilfskraft geschickt, die nichts bemerkt habe. Also habe der Autohändler bewusst darauf verzichtet, den Wagen vor dem Abschluss des Kaufvertrags zu untersuchen. Dann dürfe er sich aber nicht nachträglich über den schlechten "Deal" beschweren.

Gewerbliche Autohändler dürften sich nicht auf die Angaben privater Verkäufer zum Zustand eines Gebrauchtwagens verlassen. Zumindest eine Sichtkontrolle sei vor dem Ankauf nötig. Wenn ein privater Anbieter im Internet schreibe, das Fahrzeug sei unfallfrei, übernehme er damit gegenüber dem Profi-Ankäufer keine Beschaffenheitsgarantie.

Den Verkäufer treffe kein Vorwurf: Der Dacia habe ihm nicht lange gehört. Dass der Unfall in dieser Zeit stattgefunden habe, sei nicht bewiesen. Vermutlich habe er das Auto schon mit dem Schaden erworben und nicht als Unfallfahrzeug identifiziert — ein Händler verfüge da über weitaus größere Sachkunde als ein Laie.