Gebrauchtwagenverkauf: Fachmännische Sichtprüfung genügt

Ohne Anhaltspunkte für einen Unfallschaden müssen Autohändler nicht die Hersteller-Datenbank abfragen

onlineurteile.de - Eine X-GmbH kaufte 2007 einen gebrauchten Audi A8 Quattro mit rund 124.000 km Laufleistung. Im Kaufvertrag war bei "Mängeln und Unfallschäden" die Antwort "nein" angekreuzt. Tatsächlich war der Audi aber zwei Mal am Heck repariert worden. Den zweiten Schaden hatte der Gebrauchtwagenhändler selbst beseitigt. Den ersten Heckschaden hatte noch der Vorbesitzer reparieren lassen — der Händler behauptete, davon habe er nichts gewusst.

Als die reparierten Unfallschäden entdeckt wurden, focht die X-GmbH den Kaufvertrag an und wollte den Audi zurückgeben. Der Verkäufer habe entweder ins Blaue hinein zugesichert, der Wagen sei unfallfrei, oder er habe die Käuferin sogar bewusst getäuscht. Der Bundesgerichtshof verneinte jedoch arglistige Täuschung durch Verschweigen von Vorschäden (VIII ZR 183/12). Die Käuferin habe keinen Anspruch darauf, das Geschäft rückgängig zu machen.

Über den zweiten, von ihm reparierten Schaden habe der Autohändler die X-GmbH nicht informieren müssen. Denn dabei habe es sich nur um Lackierarbeiten für knapp 880 Euro gehandelt. So ein Schaden sei bei einem fünfeinhalb Jahre alten Wagen mit 124.000 km auf dem Tacho eine Bagatelle, die der Verkäufer nicht offenbaren müsse. Dass der Händler über den früheren Heckschaden Bescheid wusste, sei nicht bewiesen.

Ohne besondere Anhaltspunkte für einen Unfallschaden müssten Gebrauchtwagenhändler Fahrzeuge, die sie (weiter-)verkauften, nicht genau untersuchen. Sie seien nur verpflichtet, eine fachmännische Sichtprüfung durchzuführen. Wenn sich dabei keine Indizien für Vorschäden ergäben, müssten Händler keine Abfrage bei der zentralen Datenbank des Herstellers nach der "Reparaturhistorie" des Autos starten und auch sonst keine weiteren Nachforschungen anstellen.