Gefährliche "Reha"

Pezzi-Ball bei der Krankengymnastik geplatzt - Patientin an der Wirbelsäule verletzt

onlineurteile.de - In einer Rehabilitations- und Kurklinik wollte eine 65-jährige Frau nach überwundener Krankheit wieder richtig gesund werden. Doch die Rehabilitation missglückte auf spektakuläre Art und Weise: Während der Krankengymnastik platzte ihr Gymnastikball ("Pezzi-Ball"), die Patientin stürzte und verletzte sich an der Wirbelsäule. Sie verklagte den Träger der Klinik auf Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht Stuttgart hielt 20.000 Euro für angemessen (1 U 3/06). Trotz des verständlichen Interesses der Klinik, den Kostenaufwand in Grenzen zu halten, dürfe sie für die krankengymnastischen Übungen nur berstsichere Bälle verwenden. Sie sei für die Sicherheit der Geräte verantwortlich, die sie für die Rehabilitation der Patienten einsetze.

Auch wenn es nicht häufig vorkomme, dass Gymnastikbälle platzten - ein bloß theoretisches Risiko sei das nicht. Immerhin biete ja der Hersteller auch berstsichere Modelle an. In den Herstellerangaben weise das Unternehmen ausdrücklich darauf hin, dass die anderen Bälle bei beschädigter Oberfläche platzen könnten und dann die Gefahr bestehe, sich zu verletzen. Die Klinik habe ihre Bälle zu einem Zeitpunkt angeschafft, als längst berstsichere Modelle angeboten wurden, die kaum mehr kosteten (nicht einmal einen Euro mehr). Um jedes Risiko für die Patienten auszuschließen, hätte die Kurklinik daher berstsichere Bälle kaufen und in der Krankengymnastik verwenden müssen.