Geld für "Schenkkreis" verliehen

Sittenwidriger Kreditvertrag - Rückforderung der Summe ausgeschlossen

onlineurteile.de - Kaum zu glauben, aber wahr: Immer wieder finden sich Leute, die Geld in ein Schneeballsystem investieren. Eigentlich könnte es sich ja mittlerweile herumgesprochen habe, dass man es auf diese Weise schnell los wird ...

Schenkkreise sind, wie alle Schneeballsysteme, nach Art einer Pyramide organisiert. Mitglieder des "Empfängerkreises" erhalten Geld von "Geberkreisen" geschenkt und scheiden danach aus dem Spiel aus. Nun müssen die vorherigen "Geber" genügend neue Teilnehmer finden, die bereit sind, wiederum Geld einzuzahlen, damit sie als jetzige "Empfänger" ihren Einsatz zurückbekommen oder sogar selbst Gewinn machen. Natürlich funktioniert das nie, weil die Teilnehmer eine immer größere Zahl an neuen Mitspielern gewinnen müssen.

Längst hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Teilnahme an Schneeballsystemen sittenwidrig ist und die Verlierer deshalb ihren Einsatz nicht zurückfordern können. Neu an der aktuellen Entscheidung des Landgerichts München I ist, dass dies auch für Darlehen zur Teilnahme gilt (10 O 25455/05).

Der konkrete Fall: Eine Frau hatte ihre Freundin zum Mitmachen überredet und ihr dafür 5.000 Euro geliehen. Mit zusammen 10.000 Euro "lösten" sie eine Bekannte aus, erhielten selbst aber kein "Geschenk" mehr, weil vorher der Schenkkreis mangels neuer Teilnehmer zusammenbrach. Vergeblich forderte die Frau von ihrer Freundin das Geld zurück.

Der Darlehensvertrag sei sittenwidrig und damit nichtig, urteilte das Landgericht, weil er zur Teilnahme an einem Schneeballsystem dienen sollte. Da die Kreditgeberin damit selbst sittenwidrig handelte, habe sie keinen Anspruch auf Rückzahlung. Wer sich auf derartige Geschäfte einlasse, so der Richter, tue dies auf eigenes Risiko. Das staatliche Rechtssystem sei nicht dafür zuständig, derlei Unfug rückgängig zu machen.