"Geld verdienen auf Rezept"

OLG München erklärt Werbemethoden der Internetapotheke DocMorris für illegal

onlineurteile.de - Seit 1. Juli 2006 sind einige Generika von der Zuzahlung befreit, die gesetzlich Krankenversicherte zahlen müssen (fünf Euro). Die Internetapotheke DocMorris nahm diese Regelung als Anlass für eine Werbekampagne: Beim Kauf derartiger Medikamente bekämen die Kunden künftig sogar noch etwas heraus, versprach DocMorris, nämlich einen "Sonder-Bonus" von 2,50 Euro. Die Werbekampagne stand unter dem Motto "Geld verdienen auf Rezept".

Gegen diese Sorte Kundenfang zog eine Münchner Apothekerin zu Felde und setzte beim Landgericht München I durch, dass DocMorris seine Bonuskampagne beenden musste. Die Berufung der Versandapotheke gegen diese Entscheidung scheiterte beim Oberlandesgericht München (29 U 5300/06). Die Kampagne sei wettbewerbswidrig, weil sie die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher durch unangemessenen unsachlichen Einfluss beeinträchtige, so die Richter.

"Geld verdienen auf Rezept" verlocke die Kunden, sich auch medizinisch nicht indizierte Generika verschreiben zu lassen, um von der Bonuskampagne zu profitieren. Auch die Praxis von DocMorris, bei jeder Medikamentenbestellung eine Ware als kostenlose Zugabe (meist ein "fresh Gel für müde Beine") beizulegen, sei illegal. Bei Werbung für Arzneimittel dürfe grundsätzlich keine Zugabe versprochen werden; dies verstoße gegen das Heilmittelwerbegesetz.

P.S.: Generika nennt man Nachahmerpräparate mit den gleichen Wirkstoffen wie Original-Medikamente, die bereits (unter Markennamen) auf dem Markt erhältlich sind.