"Geliebtentestament" sittenwidrig?

Ehemann vererbt seiner Freundin die Hälfte des ehelichen Wohnhauses

onlineurteile.de - 16 Jahre dauerte das Verhältnis des verheirateten Mannes mit einer Prostituierten. Vier Jahre vor seinem Tod zog er aus dem ehelichen Wohnhaus aus und mit der Geliebten zusammen. Im Testament setzte er sie zur Alleinerbin ein. Im Einfamilienhaus, das dem Ehepaar je zur Hälfte gehörte, wohnte weiterhin die Ehefrau.

Nach dem Tod des Mannes beantragte die Ehefrau für sich einen Alleinerbschein. Begründung: Das Testament sei sittenwidrig. Wenn sie sich mit der Freundin ihres Mannes nicht einig werde, könnte dies zur Teilungsversteigerung des Hauses führen. Dann müsste sie als Ehefrau ihr angestammtes Heim verlassen.

Selbst wenn es so käme, werde dadurch das Testament nicht sittenwidrig, erklärte das Oberlandesgericht Düsseldorf (3 Wx 100/08). Es verweigerte der Ehefrau den Alleinerbschein. Ein so genanntes "Geliebtentestament" sei (gemäß den vom Bundesgerichtshof formulierten Richtlinien) nur als sittenwidrig anzusehen, wenn es ausschließlich "sexuelle Hingabe" belohnen solle. Oder wenn dadurch ein Angehöriger dramatisch benachteiligt werde.

Das sei hier aber nicht der Fall. Die Beziehung habe sehr lange gedauert und der Verstorbene habe mit der Geliebten jahrelang zusammengelebt. Dass die Erbeinsetzung im Testament sie nur "für Sex bezahlen" sollte, könne man daher verneinen. Auch wenn sie nun womöglich das Haus versteigern lassen müsse: Die Ehefrau werde durch das Testament nicht in sittenwidriger Weise benachteiligt. Hätte sich ihr Mann scheiden lassen, hätte sie das Haus genauso verlieren können.