"Getarnter" Schlüsselnotdienst

In Anzeigen und Rechnungen Identität des Unternehmens verschwiegen

onlineurteile.de - Ein Schlüsseldienst war bundesweit aktiv. In den Inseraten im Branchenfernsprechbuch waren zwar örtliche Telefonnummern angegeben. Anrufe von Kunden wurden jedoch über diese Nummern an ein Call-Center am Firmensitz weitergeleitet. Von dort aus beauftragten Mitarbeiter Handwerker vor Ort, die beim Schlüsseldienst unter Vertrag standen. Weder in den Anzeigen, noch auf den Rechnungen bzw. Zahlungsquittungen tauchte je die korrekte Firmenbezeichnung oder die Adresse des Unternehmens auf: Da hieß es nur "24 Std. Schlüsseldienst" oder "Schlüsseldienst Tag & Nacht". Das war Verbraucherschützern ein Dorn im Auge, sie wollten dem Versteckspiel ein Ende setzen.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf ergriff ihre Partei (20 U 174/02). Es sei ein elementarer Grundsatz fairen Wettbewerbs, dass jeder Beteiligte seine Identität offen lege, um Geschäftspartnern und Kunden die Möglichkeit zu geben, eventuelle Ansprüche gegen ihn durchzusetzen. Genau das verhindere der Schlüsseldienst systematisch, indem er Namen und Anschrift verschweige. Hier werde Tarnung zum Geschäftsprinzip: Auf den Rechnungen stehe als Kontaktangebot nur eine 0190-Nummer, die zum Call-Center führe. Dass in irgendeiner Ecke des Papiers der Name des Handwerkers vor Ort stehe, erhöhe die Verwirrung nur noch; denn dieser sei ja gerade nicht Aussteller der Rechnung und Vertragspartner des Kunden.

Durch dieses Vorgehen verschaffe sich der Schlüsseldienst in rechtswidriger Weise Wettbewerbsvorteile gegenüber den Konkurrenten: Zum einen, indem er es den Kunden unmöglich mache, Gewährleistungsansprüche geltend zu machen. Zum anderen erhalte das Unternehmen so mehr Aufträge: Denn Kunden vor versperrter Haustüre hätten es eilig und riefen bevorzugt Handwerker in der Nähe an, in der Vorstellung, diese kämen am schnellsten vom Firmensitz zur Wohnung. Zwecks Kundenfang leiste sich der Schlüsseldienst deshalb den hohen Aufwand, 5.000 Telefonnummern bundesweit zu unterhalten, obwohl doch am Ende jeder Anrufer im Call-Center lande.