Gezänk um die letzte Ruhestätte

Mutter bestreitet Entscheidungsbefugnis der Lebensgefährtin des verstorbenen Sohnes

onlineurteile.de - Legt jemand z.B. in einer Vorsorgevollmacht fest, wo er begraben werden will, ist das für die Angehörigen verbindlich. Im konkreten Fall wäre auf diese Weise den Beteiligten ein hässliches Tauziehen erspart geblieben, doch der Mann hatte diese Frage nicht geregelt. Vor seinem Tod hatte er ein gutes Jahr lang mit seiner Lebensgefährtin in Dinkelsbühl zusammengelebt. Diese ließ den Leichnam einäschern und auf dem Dinkelsbühler Friedhof beisetzen.

Dagegen klagte die Mutter des Verstorbenen: Die Urne des Sohnes müsse an ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg verlegt werden, meinte die Mutter. Ihr Sohn habe sicher nicht in Dinkelsbühl bestattet werden wollen, dort habe er außer seiner Lebensgefährtin keine Angehörigen. Diese Frau habe sich eigenmächtig über ihr Recht als Mutter und nächste Verwandte hinweggesetzt, den Begräbnisort zu bestimmen. Doch: Auch die so gescholtene Lebensgefährtin behauptete, sie habe gemäß dem letzten Willen des Verstorbenen gehandelt.

Da dieser die Angelegenheit nicht selbst geregelt habe und die Hinterbliebenen widersprüchlich argumentierten, so das Landgericht Ansbach, entscheide die Totenfürsorgeberechtigte: Und das sei die Lebensgefährtin (1 S 1054/11). Das Recht der Totenfürsorge übe in erster Linie derjenige aus, den der Verstorbene damit beauftragt habe. Das müssten nicht die Angehörigen sein, wenn der Verstorbene mit seiner Lebensgefährtin in eheähnlicher Gemeinschaft zusammengelebt habe. Sie habe die Beerdigung organisiert und alle damit verbundenen Formalitäten erledigt. Ihr stehe auch das Recht zu, über den Ort der Beisetzung zu entscheiden.