Gynäkologe hielt Mammographie für überflüssig

Frau fordert Schmerzensgeld für spät erkannten Brustkrebs

onlineurteile.de - Die letzte Mammographie war zweieinhalb Jahre her, doch der Frauenarzt hielt im Frühjahr 2000 keine weitere für nötig, weil die 57-jährige Patientin keinerlei verdächtige Symptome hatte. Im Oktober untersuchte er sie erneut, ohne etwas zu finden. Zwei Monate später entdeckte die Frau selbst beim Abtasten der Brust einen Knoten unter der Haut. Nun musste operiert werden, dann folgten Chemotherapie und Strahlentherapie.

Vom Frauenarzt forderte die Patientin 20.000 DM Schmerzensgeld: Es sei ein Behandlungsfehler gewesen, sie nicht zur Mammographie zu schicken und beim letzten Abtasten den Tumor nicht zu erspüren. Wäre der Tumor früher erkannt worden, hätte auch eine weniger belastende Therapie genügt, meinte sie. Das Oberlandesgericht Hamm hielt die Vorwürfe jedoch nicht für berechtigt (3 U 277/04).

Im Jahr 2000 sei es noch nicht ärztlicher Standard gewesen, Frauen dieser Altersgruppe pünktlich alle zwei Jahre - ohne konkreten Verdacht - zu einer Mammographie zu schicken. Damals hätten auch noch nicht alle Kassen diese Maßnahme finanziert, was ebenfalls ein Indiz für medizinischen Standard sei. Zwar hätten einige Experten dazu geraten, aber man könne es einem Arzt nicht gleich als Behandlungsfehler ankreiden, wenn er neue wissenschaftliche Erkenntnisse nicht sofort in die Praxis umsetze.

Zweifelhaft sei auch, ob im Frühjahr das Karzinom bei einer Mammographie schon erkennbar gewesen wäre. Es gebe Tumore, die sehr schnell wachsen. Das sei im Nachhinein nicht mehr zu ermitteln. Wäre dem Gynäkologen der Knoten im Oktober aufgefallen, hätte dies jedenfalls an der nötigen Therapie nichts mehr geändert. Selbst wenn er ihn fehlerhaft übersehen haben sollte, habe er der Patientin damit keinen Schaden zugefügt, für den er sie mit Schmerzensgeld entschädigen müsste.