Händler verkaufte gestohlenes Fahrzeug weiter

Dass er sich bei der Polizei erkundigte, erspart ihm die Haftung nicht

onlineurteile.de - Autohändler P wurde vom Kollegen K aus dem Nachbarort angerufen: Dort werde auf einem Autostellplatz ein Luxuswagen sehr günstig (37.000 Euro) zum Verkauf angeboten. P sagte zu und K kaufte für ihn das Auto. P ließ den Kfz-Brief bei der Zulassungsstelle und bei der Polizei prüfen. Alles in Ordnung, lautete die Auskunft. Für 41.500 Euro verkaufte P das Fahrzeug an eine italienische Händlerin weiter. Vor der Überführung wurde die Fahrgestellnummer nochmals geprüft.

Dennoch stellte sich bald heraus, dass das Fahrzeug in einem Autohaus gestohlen worden war. Die italienischen Ermittlungsbehörden stellten es sicher und gaben es dem Eigentümer zurück. Nun forderte die Händlerin von P Schadenersatz in Höhe des Kaufpreises. Vergeblich pochte P darauf, dass "er sich doch nun wirklich eingehend erkundigt" habe. Das Oberlandesgericht München verurteilte ihn dazu, den Kaufpreis zu ersetzen (7 U 4969/06).

Händler P habe den Kaufvertrag nicht erfüllen und der Käuferin das Auto nicht wirksam übereignen können, weil es gestohlen war. Dieser "Mangel" sei ihm trotz seiner Nachfragen bei Polizei und Zulassungsstelle zuzurechnen. Denn der Fahrzeugtyp sei begehrt und werde "sehr gerne gestohlen". Er habe das Auto außergewöhnlich günstig erworben. Das hätte P zu denken geben müssen.

Außerdem habe auch der Bericht seines Kollegen Zweifel an der Herkunft des Wagens nahegelegt, weil er ihn unter sehr ungewöhnlichen Umständen gekauft habe: Auf dem Autostellplatz hätten "viele hochwertige Fahrzeuge zum Verkauf gestanden". Dennoch habe der Verkäufer sein Büro in einem Container gehabt. Dessen Vorname habe mit dem im Fahrzeugbrief angegebenen nicht übereingestimmt. Und: Schon am Telefon habe K den Kaufpreis herunterhandeln können.