Halb Geschäftsreise, halb Vergnügungsreise ...

Bundesfinanzhof ändert Rechtsprechung zu "gemischt veranlassten" Reisen

onlineurteile.de - Ein Informatiker, EDV-Controller seines Unternehmens, hatte eine Computer-Messe in Las Vegas besucht. Anschließend vergnügte er sich noch ein paar Tage im amerikanischen Spielerparadies. Die Aufwendungen für seinen einwöchigen USA-Aufenthalt wollte der Informatiker als Werbungskosten anerkannt (d.h. vom zu versteuernden Einkommen abgezogen) bekommen.

Das Finanzamt berücksichtigte nur die Hotelkosten für vier Tage und die Kongressgebühren. Zum Rechtsstreit kam es wegen der Kosten für den Hin- und Rückflug. Die Einkommensteuererklärung des Informatikers veränderte schließlich die Rechtsprechung.

Denn der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) entschied anlässlich dieses Streits, die Ausgaben für teils beruflich, teils privat begründete Reisen seien künftig in größerem Umfang als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anzuerkennen: Ausgaben für "gemischt veranlasste Reisen" könne man durchaus aufteilen (GrS 1/06).

In Bezug auf die Flugkosten im konkreten Fall bedeute dies, dass sie zu vier Siebteln als Werbungskosten anzuerkennen seien. Wenn bei einer Reise der beruflich begründete Zeitanteil klar zu unterscheiden sei vom privaten Teil des Aufenthalts, könne man auch die Aufwendungen in abziehbare Werbungskosten und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung einteilen.

Das sei nur ausgeschlossen, wenn eine Reise doppelt motiviert und die beruflichen und privaten Aspekte so verwoben seien, dass man sie nicht in sinnvoller Weise auseinanderhalten könne.