Hallendach eingestürzt

Bauunternehmer erfüllt unter Umständen seine Organisationspflichten schon durch sorgfältige Auswahl von Subunternehmern

onlineurteile.de - In den achtziger Jahren erhielt ein Bauunternehmer den Auftrag, aus 30 Nagelplattenbindern das Dach einer Turnhalle zu errichten. Die Binder stellte ein - in der Branche anerkanntes - Unternehmen her, das eine Lizenz dafür hatte. Die Statik ließ der Bauunternehmer ebenfalls von einer anderen Firma erstellen; sie hatte das System entwickelt.

Die Produktion der Binder überwachte der Bauunternehmer nicht. 17 Jahre nach der Bauabnahme stürzte das Hallendach ein. Experten fanden heraus, dass die Binder den Anforderungen der Statik nicht entsprachen. Daraufhin verklagte der kommunale Auftraggeber den Bauunternehmer auf Ersatz des Sachschadens.

Zu Recht, fand das Oberlandesgericht: Der Auftragnehmer hätte (während der Produktion und nach der Bau-Fertigstellung) kontrollieren müssen, ob die Binder mit den statischen Vorgaben übereinstimmten. Dem widersprach der Bundesgerichtshof (VII ZR 99/06). Ein Bauunternehmer müsse zwar den Bau korrekt organisieren, nicht aber Produktionsprozesse, die außerhalb seiner Verantwortung lägen.

Er könne nur Prozesse überwachen, die er selbst beeinflussen und fachlich beurteilen könne. Sei das unmöglich - mangels eigener Fachkunde oder mangels Lizenz -, erfülle der Bauunternehmer seine organisatorischen Pflichten bereits dadurch, dass er die Subunternehmer sorgfältig aussuche. Das sei hier geschehen; daher müsse der Auftragnehmer nicht für die Einsturzschäden haften.