Handwerker stürzt im Werkstatthof

Gewerblicher Winterdienst hatte wegen Eisregens nicht gestreut

onlineurteile.de - Der Eigentümer eines Gewerbegrundstücks mit mehreren Handwerksbetrieben als Mietern hatte ein gewerbliches Unternehmen mit dem Winterdienst beauftragt. Am 23.12.1996 ging rund um München heftiger Eisregen nieder, Flächen und Straßen waren spiegelglatt. Die Winterdienst-Firma unternahm nichts, weil sie es für sinnlos hielt, während des Eisregens zu streuen. Das wurde einem Heizungsbauer zum Verhängnis, der auf dem Gelände arbeitete. Früh um 7.45 Uhr parkte er sein Auto dort und kam heil bis zur Werkstatt. Dann aber tastete er sich vorsichtig zurück zum Auto, um vergessenes Werkzeug zu holen. Dabei stürzte er und verletzte sich schwer an der linken Schulter. Kraft und Motorik des Arms wurden dadurch so beeinträchtigt, dass der Mann seinen Beruf aufgeben musste. Die Winterdienst-Firma verklagte er auf Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht München entschied, dass die Firma für den Unfall haftet (19 U 5318/02). Sie habe in hohem Maße unprofessionell gehandelt und ihre Verkehrssicherungspflichten ignoriert. Auch bei Eisregen sei es nicht sinnlos zu streuen, da Streusalz das Frieren des Regens auf dem Boden verhindere bzw. eine vorhandene Eisschicht auftauen könne. Wer gewerblich Winterdienst durchführe, müsse auch Streusalz oder andere Auftaumittel vorrätig haben, um bei Eisregen Glätte zu bekämpfen. Spätestens um 6.00 Uhr früh hätte die Firma tätig werden müssen, da in Handwerksbetrieben der Arbeitstag meist schon um 7.00 Uhr beginne.

Allerdings musste sich der verunglückte Handwerker auch eine Mitschuld anrechnen lassen. Denn auf dem Weg vom Auto zur Werkstatt seines Arbeitgebers hatte er bemerkt, dass der Boden extrem glatt war. Ohne zwingenden Grund zum Auto zurückzugehen, sei leichtsinnig gewesen, so die Richter. Dafür zogen sie von der Entschädigung ein Drittel ab, es blieben dem Mann immerhin noch 23.500 Euro.