Hausarzt erkennt Röteln bei schwangerer Frau nicht

Kind ist behindert - Mediziner muss keinen Schadenersatz zahlen

onlineurteile.de - Der Frau war es ohnehin schon mulmig zumute und jetzt plagte sie auch noch dieser Hautausschlag! Der Hausarzt konnte nicht helfen. Zuerst nahm er eine allergische Reaktion auf ein Medikament an und verschrieb immer wieder andere Mittel. Keines half. Inzwischen hatte die junge Frau gemerkt, dass sie schwanger war und das dem Hausarzt mitgeteilt. Der schrieb nach drei Wochen einen Bericht für den medizinischen Dienst, in dem er von einem "Ekzem unklarer Genese" sprach.

Unklar blieb der "Ausschlag", bis endlich der Frauenarzt einen Rötelntest machen ließ. Der fiel eindeutig aus. Das Kind kam geistig und körperlich behindert zur Welt - typische Folgeerscheinungen einer Rötelnerkrankung der Mutter während der Schwangerschaft. Die Frau wollte den Hausarzt zur Verantwortung ziehen: Wenn er die Röteln erkannt hätte, dann hätte sie sicherlich abgetrieben, um kein missgebildetes Kind zu bekommen, argumentierte sie. Deshalb sollte der Hausarzt Unterhalt für das Kind zahlen.

Der Bundesgerichtshof wies ihre Klage ab (VI ZR 196/03). Die Frau habe den Hausarzt wegen eines Hautausschlags aufgesucht. Bei der Behandlung sei es darum und nicht um die Schwangerschaft gegangen. Deshalb sei auch nur der Ausschlag Gegenstand des Behandlungsvertrags. Wenn die Frau später nebenbei erwähne, dass sie schwanger sei, ändere sich dadurch der Inhalt des Behandlungsvertrags nicht. Schon gar nicht gehöre es zu den Pflichten des Hausarztes, die Geburt eines Kindes zu verhindern. Die Schwangerschaft zu begleiten und abzuklären, ob eine Abtreibung angeraten sei, falle in den Zuständigkeitsbereich des Frauenarztes.