"Haustürgeschäfte" - nicht nur vor der Haustüre

Häuslebauer kaufte auf der Baustelle Fenster: Widerrufsrecht

onlineurteile.de - So genannte "Haustürgeschäfte" kann der Kunde innerhalb von zwei Wochen nach Vertragsschluss widerrufen. Das Widerrufsrecht dient dem Verbraucherschutz: Verbraucher sollen nicht von gewieften Verkäufern mit Angeboten überrumpelt werden. Das fällt besonders leicht in Situationen, in denen niemand mit geschäftlichen Gesprächen rechnet, zum Beispiel in Privaträumen der Kunden oder auf Freizeitveranstaltungen. Unter Umständen gilt das Widerrufsrecht auch für Vertragsschlüsse auf Baustellen, wie das Amtsgericht Ettenheim entschied (1 C 270/03).

Ein Häuslebauer hatte Prospekte eines Fensterherstellers mit konkreten Angeboten bekommen. Daraufreagierte er nicht, weshalb es der Unternehmer anders versuchte. Er schickte einen Verkäufer auf die Baustelle des künftigen Eigenheims. Der traf den Bauherrn selbst an und redete so lange auf ihn ein, bis er Fenster bestellte. Später bereute der Kunde den Vertragsabschluss und wollte die Bestellung rückgängig machen. Darauf ließ sich der Unternehmer jedoch nicht ein.

Nach dem Urteil des Amtsgerichts Ettenheim kann er auf dem Geschäft nicht bestehen. Einen Häuslebauer auf seiner privaten Baustelle aufzusuchen, um ihn mit einem geschäftlichen Angebot zu konfrontieren, sei dem klassischen "Klingeln an der Haustür" vergleichbar, so das Gericht. Dort sei der Bauherr nicht auf Verkaufsgespräche eingestellt und laufe Gefahr, übereilte Entscheidungen zu treffen. Deshalb dürfe der Kunde in konkreten Fall den Kauf widerrufen. Anders wäre die Situation zu beurteilen, wenn der Bauherr den Kontakt zum Verkäufer selbst hergestellt hätte.