Hausverkäufer beauftragt zweiten Makler

Die erste Maklerin hält Kaufinteressenten hin, um einen neuen Alleinauftrag zu bekommen: Provision?

onlineurteile.de - Herr A wollte sein Haus verkaufen und schloss mit Maklerin B einen Vertrag. Demnach schuldete ihr A Provision, wenn die Immobilie aufgrund ihrer Tätigkeit verkauft wurde. Da sich Frau B ein halbes Jahr erfolglos bemühte und laut Vertrag in diesem Fall der Alleinverkaufsauftrag für sie endete, beauftragte Herr A eine weitere Maklerfirma K.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Maklerin bereits einen ernsthaften Interessenten "an der Angel". Herrn S nannte sie zwar das Objekt, weigerte sich aber, mit ihm das Haus zu besichtigen. Der von S gebotene Kaufpreis sei zu gering, erklärte Frau B. In Wirklichkeit ging es ihr darum, vor weiteren Aktivitäten von Herrn A erneut einen Alleinauftrag zu bekommen.

Zu ihrem Pech lud jedoch die Firma K mehrere Interessenten zu einem Besichtigungstermin ein. Hier traf Herr S den Hauseigentümer und stellte fest, dass es sich um das gleiche Haus handelte, über das er schon mit Frau B verhandelt hatte. Er kaufte schließlich das Anwesen. Nun forderte die Maklerin vom Verkäufer Provision, was A rundweg ablehnte.

Zu Recht, wie das Oberlandesgericht Nürnberg entschied (2 U 1676/10). Der Abschluss des Kaufvertrags habe nichts mit der Maklertätigkeit von Frau B zu tun. Sie habe an A geschrieben, es gebe einen Interessenten und sie werde ihn über die Verhandlungen auf dem Laufenden halten. Also sei der Verkäufer davon ausgegangen, dass die Maklerin ihre Verkaufsbemühungen fortsetzte.

Tatsächlich habe Frau B aber nichts unternommen, um den Verkauf an S zu fördern, sondern habe im Gegenteil die Besichtigung wochenlang abgeblockt. Nach Aussagen eines Mitarbeiters, um sich vorher einen Alleinauftrag und damit die Provision zu sichern. So ein Verhalten verstoße gegen die vertraglichen Pflichten eines Maklers: Wer gegen die Interessen des Auftraggebers handle, verdiene keinen Maklerlohn.

Die Behauptung der Maklerin, die Preisvorstellungen seien so weit auseinander gewesen, dass eine Besichtigung sinnlos gewesen wäre, überzeuge nicht. Es sei normal, dass ein Kaufinteressent im Zuge der Verhandlungen sein Angebot aufbessere. Gerade eine Besichtigung könne dies befördern. In Wahrheit habe die Maklerin ihr Interesse über das des Verkäufers gestellt und deshalb die objektiv gebotene Besichtigung mehrfach aufgeschoben.