Hautkrebs-Therapie

Welche Therapien muss die Krankenversicherung als "medizinisch notwendige Heilbehandlung" finanzieren?

onlineurteile.de - Bei einer Frau (die in der privaten Krankenversicherung ihres Mannes mitversichert war) wurde Hautkrebs diagnostiziert. Sie ließ sich naturheilkundlich behandeln. Die Kosten wurden vom Krankenversicherer nicht ausgeglichen. Als später erneut ein Melanom am Bein entdeckt wurde, unterzog sich die Patientin einer klassischen Interferon-Therapie, die sie jedoch wegen Unverträglichkeit bald wieder abbrach. Es folgten wieder alternative Verfahren wie Eigenblutbehandlung, Kolon-Hydro-Therapie, Akupunktur und die Einnahme von Thymus- und Ney-Präparaten.

Schließlich verlangte ihr Ehemann vom Krankenversicherer 13.226 Euro Kostenerstattung und klagte die Summe ein. Beim Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart erreichte er einen Teilerfolg (7 U 91/05). Sachverständig beraten, entschieden die Richter, dass Akupunktur und die Behandlung mit Thymus- und Ney-Produkten notwendige Heilbehandlungen im Sinne der Versicherungsbedingungen darstellen. Der Versicherer musste 8.125 Euro Behandlungskosten übernehmen.

Auch die schulmedizinische Behandlung eines malignen Melanoms führe nicht zur Heilung, hatte der Gutachter erläutert, sondern verbessere allenfalls die Überlebenschancen. Das gelte selbst für Interferone, die einzigen Mittel, die sichere Wirkung zeigten. Wenn die Schulmedizin hier nicht viel mehr ausrichte, so die Richter, seien auch so genannte Außenseitermethoden als notwendige medizinische Heilbehandlung anzuerkennen - vorausgesetzt, sie beruhten auf nachvollziehbaren medizinischen Überlegungen.

Das treffe auf Thymus- und Ney-Präparate zu, weil sie das Immunsystem stimulierten (= die Lymphozyten aktivierten). Akupunktur sei zumindest als alternative Methode in der Schmerztherapie anerkannt. Dagegen sei eine "Antitumorwirkung" der Kolon-Hydro-Therapie oder von Eigenblutbehandlungen bislang nicht belegt. Die Kosten dieser Therapien müsse die Patientin selbst tragen.