Hier war der Gast nicht König

Kündigung eines Reisevertrags wegen schwerwiegender Mängel

onlineurteile.de - In dem Ferienclub mit 142 Wohneinheiten gab es kaum etwas, was nicht zu beanstanden war. Jede Menge Dreck in den Zimmern, im Fitnessraum und im Swimmingpool, Geruchsbelästigung durch die Kläranlage, trockenes Brot zum Frühstück, lauwarme Mahlzeiten ohne frisches Fleisch oder Fisch, Trockenobst als Nachtisch. Eine vierköpfige Familie wollte sich das nicht gefallen lassen und reklamierte die Mängel schon am ersten Urlaubstag bei der Reiseleitung. Als die Bemühungen um eine angemessene Ersatzunterkunft scheiterten, brach die Familie den Urlaub nach drei Tagen ab und flog in die Heimat zurück.

Das Oberlandesgericht Celle verurteilte die Reiseveranstalterin, fast den gesamten Reisepreis (1.011 Euro pro Teilnehmer) zu erstatten (11 U 170/03). Laut Katalog handle es sich um eine "Vier-Sterne-Anlage". Da dürfe man zwar nicht den Maßstab deutscher Hotelsterne anlegen. Aber den im Katalog beschriebenen Standard eines "Hauses der gehobenen Mittelklasse mit entsprechenden Einrichtungen und Service" müsse die Reiseveranstalterin schon erfüllen.

Die Richter hoben hervor, dass bei einer All-Inclusive-Reise - hier sind Essen und Trinken ein besonders großer Posten im Gesamtreisepreis - Mängel bei der Verpflegung sehr schwer wiegen. Wer Vollverpflegung buche und dann eine sehr bescheidene, lauwarme Essensauswahl geboten bekomme, die er obendrein wegen ekelerregenden Umgangs des Personals mit Tischhygiene und Besteck nicht genießen könne, dürfe den Reisevertrag kündigen. Da die Mängelliste unendlich lang war, hielt das Oberlandesgericht eine Minderung des Reisepreises von über 50 Prozent für angemessen. Als Trostpflaster erhielten die Reisenden zusätzlich Entschädigung für vertane Urlaubszeit.