Hilfsbereiter Nachbar stiftet Unheil

Nach dem Gießen Wasserzufuhr des Gartenschlauchs nicht abgedreht: Keller überschwemmt!

onlineurteile.de - Die zwei Hausbesitzer verstanden sich gut. Fuhr eine Familie in Urlaub, kümmerten sich die Nachbarn um die Blumen im Haus und gossen den Garten. So war es auch im Juni 2011, als Herr A mit seiner Frau in einem Kurort weilte.

An einem heißen Abend wässerte Nachbar B den Rasen von A. Als er fertig war, drehte er nur die Spritze am Gartenschlauch zu. Den Wasserhahn am Haus vergaß er, d.h. er stellte die Wasserzufuhr zum Schlauch nicht ab. Das Wasser drückte nachts die Spritze aus dem Schlauch und ergoss sich in den Keller des Hauses.

Für den Wasserschaden in Höhe von 11.700 Euro kam die Gebäudeversicherung des Hausherrn auf. Anschließend verlangte sie diesen Betrag vom hilfsbereiten Nachbarn ("Regress"), weil er die Überschwemmung grob fahrlässig herbeigeführt habe. Das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz ersparte ihm die Zahlung (3 U 1468/14).

Bei alltäglichen Gefälligkeiten unter Nachbarn sei die Haftung beschränkt auf absichtlich oder grob fahrlässig verursachte Schäden, so das OLG. Niemand würde mehr unentgeltlich Nachbarschaftshilfe leisten, wenn er sich dadurch einem unbegrenzten Haftungsrisiko aussetzte. Daher gehe die Rechtsprechung in solchen Fällen davon aus, dass die Beteiligten "stillschweigend einen Haftungsausschluss vereinbarten" für Schäden durch leicht fahrlässiges Handeln.

Das gelte auch im konkreten Fall, obwohl B sogar privat haftpflichtversichert sei. Die Versicherung müsse er nicht in Anspruch nehmen. Mehr als leichte Fahrlässigkeit liege hier nicht vor. Nachbar B müsse zwar als Hobbygärtner das Risiko kennen, dass die Spritzdüse dem Wasserdruck nicht standhalten, der Schlauch abspringen und Wasser austreten könnte. Natürlich hätte er die Zapfstelle am Haus deshalb zudrehen müssen.

B habe aber nicht damit rechnen können, dass Wasser aus dem Gartenschlauch in den Keller eindringen würde. Normalerweise versickere Wasser im Boden. Dass es aufgrund der Bodenverhältnisse ins Haus des Nachbarn eindringen würde, sei für B nicht zu erkennen gewesen. Da die Gefahr eines Wasserschadens nicht vorhersehbar war, könne man ihm kein grob fahrlässiges Handeln vorwerfen. Infolgedessen blieb die Gebäudeversicherung auf dem Schaden sitzen, der Nachbar musste für den Wasserschaden nicht einstehen.