Holztreppe gebaut wie vereinbart

Dennoch kann die Leistung des Handwerkers mangelhaft sein

onlineurteile.de - Für sein Einfamilienhaus, das gerade entstand, wünschte sich Bauherr W eine Massivholztreppe aus Birke. Er beauftragte einen Treppenbauer und vereinbarte mit dem Handwerker, dass die Wangen 40 mm dick sein sollten (Wangen tragen die Stufen). 3.485 Euro zahlte W für die Treppe, mit der er jedoch schon bald unzufrieden war: Sie knarze fürchterlich und biege sich durch, beanstandete der Bauherr. Das liege wohl an der Wangenstärke, die mit nur 40 mm zu gering sei.

Der Handwerker weigerte sich, eine neue Treppe einzubauen: Er habe genauso gearbeitet wie vertraglich festgelegt. In der Praxis sei es absolut üblich, Treppen mit Wangen von 40 mm zu bauen. Das stelle keinen Mangel seines Werks dar.

Doch Auftraggeber W verlangte von ihm einen Vorschuss in Höhe des Werklohns, um damit eine neue Treppe zu finanzieren. Mit Erfolg: Die Leistung eines Handwerkers müsse den anerkannten Regeln der Technik entsprechen, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH), unabhängig davon, was im Vertrag konkret vereinbart wurde (VII ZR 134/12). Weiche die Leistung von diesen Regeln ab, sei das Werk als mangelhaft einzustufen.

Gemäß den fachlichen Standards — fixiert im "Regelwerk Handwerkliche Holztreppen" — müsse die Wangenstärke einer Holztreppe grundsätzlich 50 mm betragen. Im Einzelfall könne auch eine Treppe mit 40 mm standsicher sein. Doch das müsse der Auftragnehmer durch eine bauaufsichtliche Zulassung dokumentieren. Hier fehle so ein Nachweis der Standsicherheit, also entspreche die Treppe nicht den anerkannten Regeln der Technik.

Auf den Vertrag pochte der Handwerker vergeblich: Er dürfe mit einem unerfahrenen Auftraggeber ohne Fachkenntnisse im Bauwesen nichts vereinbaren, was vom fachlichen Mindeststandard abweiche, so der BGH. Wenn ein Handwerker derlei vereinbare, müsse er den Bauherrn zumindest ausdrücklich darauf hinweisen. Dass eine Ausführung mit Wangenstärke 40 mm "gängige Praxis" sei, entlaste ihn auch nicht. Damit stehe nämlich keineswegs fest, ob sich diese Praxis bewährt habe.