Hotel in Mazedonien überbucht

Urlauber zu spät informiert, Ersatzunterkunft weniger komfortabel ...

onlineurteile.de - Bei einem Reiseveranstalter hatte eine Familie eine Reise nach Mazedonien gebucht. Das Urlaubshotel hatte direkten Zugang zum Strand und eine große Swimmingpoolanlage. Und für die Abendunterhaltung sorgte eine Diskothek, in der Shows, Animation und "Mitternachtssnacks" geboten wurden. Eben deshalb hatten sich die Urlauber dieses Hotel aus dem Katalog herausgesucht.

Um so größer war die Enttäuschung, als ihnen ein Mitarbeiter des Reiseveranstalters bei der Ankunft auf dem Flughafen Monastir mitteilte, dass das gebuchte Hotel schon voll belegt sei. Das Ersatzhotel lag nicht am Strand und abends war "tote Hose" ... Die Klage der Kunden auf Minderung des Reisepreises und Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden war beim Landgericht Frankfurt erfolgreich (2/24 S 139/07).

Der Reiseveranstalter dürfe nicht einseitig die vereinbarten Leistungen verändern, erklärte das Landgericht. Allein die Tatsache, dass er die Reisenden erst bei ihrer Ankunft darüber informiert habe, dass ihr Hotel überbucht war, begründe einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises (um 15 Prozent). Dem Unternehmen sei dies bereits vor Reisebeginn bekannt gewesen. Die Information nicht weiterzugeben, stelle eine Pflichtverletzung dar.

So nehme der Reiseveranstalter den Kunden die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie trotzdem reisen oder den Reisevertrag kündigen wollten. Dazu wären sie allemal berechtigt gewesen: Denn die Ersatzunterkunft bot bei weitem nicht die Leistungen wie das ursprünglich gebuchte Hotel - kein Strandzugang, kleinerer Pool, keine Diskothek, kein Sportprogramm -, die der Reiseveranstalter den Kunden schuldete. Die Hotels seien nicht annähernd gleichwertig gewesen. Aus diesem Grund dürften die Urlauber den Reisepreis um 45 Prozent mindern.

Da die Reise erheblich beeinträchtigt war (das belege schon die Minderungsquote von insgesamt 60 Prozent), könnten die Reisenden obendrein Entschädigung für vertane Urlaubszeit verlangen, und zwar die Hälfte des Reisepreises. Und so erhielt die Familie für einen Urlaub, der 3.727 Euro gekostet hatte, schließlich vom Reiseveranstalter 4.099 Euro.