Hund vor dem Gemüseladen angebunden

Erschreckt er eine Kundin so, dass sie stürzt, haftet die Tierhalterin für die Folgen

onlineurteile.de - Nichts Böses ahnend, ging Frau X zu "ihrem" Gemüseladen. Vor dem Geschäft hatte eine andere Kundin ihren Dackelmischling an einen Zaunpfosten angebunden — an einem längeren Stück Freilaufleine, die dem Hund ein wenig Bewegungsspielraum ließ. Als er Frau X erblickte, sprang er bellend auf sie zu.

Obwohl der Hund sie nicht erwischen konnte (so groß war der Bewegungsspielraum auch wieder nicht), wich sie vor Schreck zurück, stolperte und stürzte zu Boden. Dabei brach sich Frau X einen Lendenwirbel und ein Handgelenk. Ihre gesetzliche Krankenkasse kam für die Behandlungskosten auf und verklagte anschließend die Tierhalterin auf 6.500 Euro Schadenersatz.

Die Hundebesitzerin behauptete, ihr "braves Tier" habe sich überhaupt nicht bewegt oder gar geknurrt. Da zwei Zeugen das Gegenteil bestätigten, verlor sie den Prozess vor dem Landgericht Coburg (13 O 150/11). Ein Mitverschulden der Verletzten sei zu verneinen, so das Gericht.

Sie sei nicht direkt auf das Tier, sondern wie immer auf die Eingangstür des Ladens zugegangen. Offenbar sei der Mischlingshund plötzlich aufgesprungen und habe sich — soweit es die Freilaufleine erlaubte — auf Frau X zubewegt. Damit habe sie nicht gerechnet, weil das Tier angebunden war.

Plötzlich bellend und knurrend auf fremde Menschen zuzuspringen, sei zweifelsfrei typisch für Hunde. Mit dem Sturz von Frau X habe sich also die Gefahr verwirklicht, die typischerweise von der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens ausgehe. Für daraus entstehenden Schaden hafte die Tierhalterin unabhängig von eigenem Verschulden.