Hyperaktives Kind?

Eltern streiten über medizinische Behandlung

onlineurteile.de - Die Eltern hatten sich getrennt. Bei dem gemeinsamen Kind fielen ständiger Aktivitätsdrang und Konzentrationsstörungen auf, typisches Verhaltensmuster hyperaktiver Kinder ("hyperkinetisches Syndrom"). Zwischen den Eltern gab es Streit über die Richtigkeit der Diagnose und die Behandlung mit dem umstrittenen Medikament Ritalin. Der Vater lehnte sie ab und verwies auf die Nebenwirkungen. Dagegen wollte die Mutter der ärztlichen Empfehlung folgen. Der Arzt des Kindes brach wegen des Streits die Therapie ab.

Der elterliche Zank landete beim Familiengericht. In dieser Frage solle die Mutter entscheiden, befand das Oberlandesgericht Bamberg, und übertrug ihr in diesem Punkt das alleinige Sorgerecht (7 UF 4/02). Das Kind lebe bei der Mutter, und diese habe die alltäglichen Probleme mit ihm zu bewältigen (die Unterstützung bei den Hausaufgaben usw.). Dass sie auf den Rat des Arztes hören wolle, sei nicht zu beanstanden.

Es gehe hier nicht um Routineangelegenheiten wie Grippe oder gewöhnliche Kinderkrankheiten, darüber könnte die Mutter ohnehin allein entscheiden. Vielmehr sei das Problem - wegen der möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung mit Ritalin - von erheblicher Bedeutung für das Kind. Also müssten sich eigentlich die Eltern verständigen und eine gemeinsame Entscheidung treffen, was sich jedoch als unmöglich erwiesen habe. Es bleibe also nur die Lösung, dem Vater in dieser Angelegenheit das Sorgerecht zu entziehen. Denn das Gericht sei nicht zu einer Entscheidung in der Sache befugt (Ritalin ja oder nein ...), es könne nur bestimmen, wer entscheiden solle.