Im Zoo vom Affen gebissen

Kommune haftet nicht für Verletzung, wenn sie eindringlich vor dem Risiko im Freilaufgehege gewarnt hat

onlineurteile.de - Eine 65-jährige Frau besuchte mit Bekannten den städtischen Zoo und darin ein Freilaufgehege für sechs Totenkopfäffchen. Man betrat es durch drei Drahttüren, an denen diverse Warnschilder hingen: "Betreten auf eigene Gefahr!" "Affen sind sehr neugierig, können aber auch empfindlich zubeißen!" "Bitte Ruhe! Machen Sie keinen Lärm und keine hastigen Bewegungen!"

Schon am Eingang des Geheges sprang ein Affe der Frau auf den Kopf. Total erschrocken, riss sie reflexartig beide Hände nach oben - und der Affe biss in den linken Zeigefinger. Da sich die Wunde infizierte, musste die Zoobesucherin zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Die gesetzliche Krankenkasse kam für die Kosten (5.415 Euro) auf und verklagte die Kommune auf Schadenersatz - ohne Erfolg.

Die Betreiberin des Zoos müsse für den Biss und seine Folgen nicht geradestehen, entschied das Landgericht Magdeburg (10 O 1082/10). Die Zoobesucherin habe das Freilaufgehege freiwillig und "auf eigene Gefahr" betreten. Der Zoo habe viele Warnschilder aufgestellt: Gut sichtbar und gut lesbar weise er auf das Risiko hin. Wer es nicht eingehen wolle, könne es leicht vermeiden. Zusätzlich zu den Texten hingen im Eingang zum Freigehege Bilder: Eines mit einem brüllenden Affen und einem blutenden Finger! Ein anderes Bild zeige einen Affen, der nach einer Brille bzw. einem Schlüsselbund greife.

Dass die Zoobesucherin die Arme hochgerissen habe, sei zwar eine verständliche Reaktion. Mit dieser "hastigen Bewegung" habe die Frau aber - entgegen der expliziten Anweisung - den Biss des Affen provoziert. Das Gefahrenpotenzial von Totenkopfäffchen sei "begrenzt", dennoch müsse man in einem Freilaufgehege mit dem typischen Verhalten von Affen rechnen: Mit schnellen, überraschenden Bewegungen - Springen, Klettern, Hangeln -, mit großer Neugier und Haschen nach Futter.

Jeder Zoobesucher müsse für sich die Wahl treffen, ob er sich so einer Situation aussetze. Die Stadt wolle die Tiere eben nicht nur hinter Glasscheiben und Gittern präsentieren, sondern eine Interaktion zwischen Mensch und Tier ermöglichen, um die Besucher mit der fremden Welt vertraut zu machen. Die Besucher sollten sich an möglichst natürlichem Verhalten der Tiere erfreuen.