In der Kletterhalle abgestürzt

Passiert trotz Sicherung ein Unfall, spricht das dafür, dass der sichernde Kletterpartner nicht aufgepasst hat

onlineurteile.de - Student A traf sich am Abend mit einem Bekannten B in der Kletterhalle, um zu trainieren. A kletterte als erster, während B ihn vom Boden aus mit einem Seil sicherte. Das Seil lief durch eine so genannte Tube, das ist ein dynamisches Sicherungsgerät, das die Kraft des Sichernden verstärkt. Kurz vor dem höchsten Punkt der Route — A hatte gerade sein Seil in die obersten Karabiner eingehängt — stürzte der Kletterer aus etwa zehn Metern Höhe ungebremst auf den Boden.

Er brach sich beide Fersenbeine und wurde im Universitätsklinikum Erlangen behandelt. Nach seiner Entlassung aus der Klinik forderte der Verunglückte von B, er müsse für jeden Schaden durch den Unfall aufkommen. Das gelte auch für jetzt noch nicht absehbare, eventuelle Spätfolgen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth gab dem Studenten Recht (6 O 2345/12).

B habe die Aufgabe übernommen, den A zu sichern, also vor einem Absturz zu bewahren. Das habe er genau in dem Augenblick versäumt, als sich A in besonders gefährlicher Höhe befand. B habe also den Unfall in grob fahrlässiger Weise verschuldet. Wenn ein Kletterer trotz Sicherung durch den Partner stürze, spreche allein schon die Tatsache, dass der Unfall geschehen sei, für einen groben Pflichtverstoß.

Zwar gebe es bessere Sicherungsgeräte als die Tube: Halbautomatische Sicherungsgeräte blockierten bereits, wenn der Sichernde den Kletterer mit geringer Kraft halte. Sie verringerten das Risiko und hätten vielleicht auch den konkreten Unfall verhindert. Das bedeute aber keineswegs, dass A mit der Tube ein riskantes Gerät verwendet habe und dem Verunglückten deshalb ein Mitverschulden anzurechnen sei, wie B meine.

Die Tube sei günstig und sicher, und deshalb bei Kletterern beliebt, wie der Sicherheitsexperte des Alpenvereins als Sachverständiger bestätigt habe. Die Mehrheit der Kletterer in den Hallen setze dieses Gerät ein, dessen Bedienung unkompliziert sei. Werde das Seil durch die metallenen Ösen der Tube gezogen, könne der Sichernde den Kletterer mit einem Kraftaufwand von nur etwa einem Zehntel der Kraft halten, die ansonsten nötig wäre. Erfahrene Kletterer wie A und B hätten damit normalerweise keinerlei Probleme.