In Las Vegas "schwer erkrankt"?

Ärztliches Attest reicht für Nachweis nicht immer aus

onlineurteile.de - In Las Vegas wurde ein deutscher Reisender krank. Er brach seinen Aufenthalt in Amerika kurzerhand ab und flog nach Hause. Erst sechs Tage später ließ er sich die Erkrankung ärztlich bescheinigen und legte das Attest seiner Reiseabbruchversicherung vor. Der Versicherer sah sich allerdings nicht in der Pflicht: Der Versicherungsnehmer habe das Attest zu spät ausstellen lassen.

Das Landgericht Potsdam teilte diesen Standpunkt und wies die Klage des USA-Reisenden ab (3 S 35/03). Um Leistungen von der Reiseabbruchversicherung zu erhalten, müsse der Versicherungsnehmer belegen, dass ihn im Urlaub plötzlich und unerwartet eine schwere Erkrankung ereilte. Also hätte er noch in Las Vegas vor dem Rückflug einen Arzt aufsuchen müssen. Werde ein Attest erst mehrere Tage später eingeholt, sei es nicht mehr aussagekräftig: Schließlich solle es genau den Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers dokumentieren, der ihn zum Abbruch der Reise zwingt.

Der Verweis auf seine mangelnden Englischkenntnisse und darauf, "dass es keinen Hotelarzt gab", half dem Mann auch nicht weiter. In einer Stadt wie Las Vegas einen Arzt zu finden - eventuell mit Hilfe des Hotelpersonals -, könne nicht so schwer sein, meinten die Richter. Und wenn die Krankheit tatsächlich das Leben des Urlaubers bedrohte - wie er behaupte -, sei es erst recht unverständlich, warum er sich dann nicht im eigenen Interesse um eine ärztliche Untersuchung bemüht habe.