Irreführende Werbung eines Elektro-Großhändlers

Werbeagentur hatte Textbaustein mit falschen Zahlen eingesetzt ...

onlineurteile.de - Im Werbeprospekt eines Elektro-Großhändlers wurden unter anderem Fernsehgeräte zu "unglaublich günstigen Konditionen" angepriesen: Rabatt bei Barzahlung oder Ratenkauf mit nur 12 Monatsraten. Eigentlich hätte da "36 Monatsraten" stehen sollen. Doch die Werbeagentur, die den Prospekt gestaltete, hatte aus Versehen einen falschen Textbaustein eingesetzt.

Ein Konkurrent des Großhändlers wandte sich gegen die irreführende Werbung. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab ihm Recht (6 U 174/05). Der Elektro-Großhändler müsse Auskunft über die Auflagenhöhe des Prospekts erteilen, damit der Konkurrent einschätzen könne, ob ihm ein Schaden entstanden sei und wie hoch er ausfalle.

Zwar orientierten sich die Verbraucher bei Elektrogeräten mehr am Preis als an Finanzierungsbedingungen. Dennoch könne die falsche Angabe der Monatsraten Kaufinteressenten beeinflussen, weil sie dadurch den Eindruck gewinnen, sie könnten sich das Fernsehgerät ohne größere Schwierigkeiten leisten. Werde das Versehen dann im Laden aufgeklärt, seien die kaufbereiten Kunden auf diese Weise schon mal ins Geschäft gelockt worden. Das könne durchaus den Wettbewerb zum Nachteil der Konkurrenten beeinflussen.

Der Elektro-Großhändler habe diesen Wettbewerbsverstoß zu verantworten, denn den Irrtum seiner Werbeagentur müsse er sich zurechnen lassen. Der Korrekturabzug des Prospekts, der ihm zur Freigabe vorgelegt worden war, habe den entsprechenden Textbaustein noch nicht enthalten. Der sollte erst unmittelbar vor der Drucklegung von der Werbeagentur eingesetzt werden. Der Auftraggeber habe also die letzte Fassung der Reklame aus unerfindlichen Gründen nicht mehr kontrolliert.