Jäger gegen Jagdzeitverlängerung

Oberbayerische Verordnung zum Schutz der Wälder gegen Wildverbiss ist wirksam

onlineurteile.de - Nur auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass ein Jäger eine Verordnung bekämpft, die die Jagdzeiten für Schalenwild verlängert. Die Regierung von Oberbayern hat die Verordnung für 105 Bereiche der Alpen erlassen, in denen Schutzwald saniert wird. Durch längere Jagdzeiten soll der Wildbestand reduziert werden, um so bestandsgefährdeten Schutzwald und Nachpflanzungen vor Wildverbiss zu schützen.

Der Inhaber eines Jagdreviers focht die Verordnung an. Seine Begründung: Wenn das Schalenwild auf den Sanierungsflächen verschärft gejagt werde, wechsle es das Revier. Vertrieben von den Sanierungsflächen, würde es dann seinen Waldbesitz schädigen. Doch der Verwaltungsgerichtshof München fand an der Verordnung nichts auszusetzen (19 N 14.1022).

Das Unternehmen Bayerische Staatsforsten bewirtschafte für den Freistaat Bayern 755.000 Hektar Wald gemäß dem Grundsatz "Wald vor Wild". Die Sanierung des Schutzwaldes stimme mit dem EU-Naturschutzrecht überein. Es gebe also inhaltlich keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Verordnung unwirksam sein könnte.

Letztlich sei aber der Antrag des Jägers schon aus formellen Gründen zurückzuweisen. Denn die allermeisten betroffenen Waldgebiete lägen weit von seinem Jagdrevier entfernt, die Verordnung werde sich auf sein Eigentum also gar nicht auswirken.

Im Verfahren habe sich ohnehin gezeigt, dass es dem Jäger nicht wirklich — wie von ihm behauptet — um den Wildverbiss in den Wäldern seines Jagdreviers gehe. Vielmehr lehne er die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Jagdbehörden und der Bayerischen Staatsforsten ab, weil sie voraussetze, dass der Wildbestand gesenkt werde. Anscheinend entspreche der überhöhte Wildbestand dem trophäenorientierten Jagdinteresse des Jägers. Doch der Anspruch auf überhöhte Wildbestände sei rechtlich nicht geschützt.