Jugendamt nimmt Baby aus der Familie

Sozialpädagogische Familienhilfe ist als milderes Mittel dem Entzug des Sorgerechts vorzuziehen

onlineurteile.de - Das Jugendamt schätzte die Mutter zweier erwachsener Töchter als psychisch labil ein. Sie wohnt mit ihrem Lebensgefährten zusammen. Als die Frau 2012 ein drittes Kind zur Welt brachte, kam es vorübergehend in Pflege. Das Jugendamt beantragte bei Gericht, ihr das Sorgerecht zu entziehen, was zunächst auch geschah.

Ein anderes Familiengericht hob diese Anordnung nach Gesprächen mit einigen Zeugen wieder auf. Die Mutter bekomme ihr Kind wieder, lautete der Beschluss, wenn sie bereit sei, sozialpädagogische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch der Vater wolle sich um das Baby kümmern. Das Jugendamt müsse die Frau regelmäßig besuchen, um das Wohlergehen des Kindes sicherzustellen.

Damit war das Jugendamt jedoch nicht zufrieden: Die Behörde bestand darauf, man müsse das Baby von der psychisch kranken Mutter trennen.

Doch das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz hielt es für richtig, ihr das Sorgerecht nicht zu entziehen — obwohl ihr Zustand das Kindeswohl gefährden könne (11 UF 266/12). Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, sei es jedoch nicht nötig, die Familie auseinander zu reißen, so das OLG. Stattdessen solle man sie mit sozialpädagogischer Familienhilfe unterstützen. Die Frau habe die gerichtliche Auflage akzeptiert, solche Hilfe anzunehmen und mit der Fachkraft des Jugendamts zu kooperieren.

Das Jugendamt habe der Mutter keine Familienhilfe angeboten, weil es die Familie trennen wollte. Zwar sei die Fach- und Sachkompetenz grundsätzlich beim Jugendamt angesiedelt. Bei einem Streit wie diesem habe aber das Familiengericht das letzte Wort, wenn das Jugendamt die Rechtslage falsch einschätze. Das Gericht habe sich zu Recht gegen die Trennung gewandt und die Rückkehr des Babys sowie Erziehungshilfe angeordnet.