Jugendliche Straftäter büxten aus

Auto beschädigt: Heimträger muss Schadenersatz zahlen

onlineurteile.de - Im zarten Alter von 15 Jahren hatten die beiden Jugendlichen schon so viel auf dem Kerbholz, dass man sie in einem geschlossenen Jugendheim unterbrachte. Hier wurden sie nach einem Stufenplan betreut, der bereits nach fünf Wochen begleiteten Ausgang vorsah. Auf dem Weg zu einem Arzt entwischte einer der beiden dem Betreuer. Der andere Junge büxte aus, als er allein im Hof herumspazieren durfte. Die beiden Übeltäter fanden sich am Abend zusammen und versuchten, ein Auto zu stehlen. Mit einem Betonstein schlugen sie eine Scheibe ein. Als sie noch damit beschäftigt waren, das Fahrzeug kurzzuschließen, wurde eine Polizeistreife auf die Jungs aufmerksam und nahm sie fest.

Der Autobesitzer verklagte den Heimträger auf Schadenersatz, es ging um 2.865 Euro. Der Heimträger - ein gemeinnütziger Verein der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit - bestritt zwar jede Verletzung der Aufsichtspflicht, doch das Landgericht Zweibrücken entschied gegen ihn (3 S 4/05). Angesichts der Gefährlichkeit der beiden Delinquenten hätte man hier vom allgemeinen Stufenplan abweichen müssen.

Bei verhaltensauffälligen Jugendlichen mit hohem Aggressionspotenzial, die schon früher aus Heimen geflohen seien - und eben deshalb in ein geschlossenes Heim kamen -, müsse man andere Maßstäbe anlegen. Da sei die Aufsichtspflicht besonders streng zu handhaben, solche Jungen dürften im Hof nicht unbeaufsichtigt bleiben. Einen Jugendlichen, der sich mit mehreren Erziehern geprügelt und diese mit dem Messer bedroht habe, dürfe man nicht nach fünf Wochen Heimaufenthalt nach draußen lassen, erst recht nicht in Begleitung einer relativ unerfahrenen Hilfskraft. Damit habe der Heimträger seine Aufsichtspflicht verletzt, er müsse daher für den Schaden am Fahrzeug in voller Höhe einstehen.